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Im Dezember wurde in Berlin ein neues Champagnerhaus vorgestellt: Maison Pompadour. Paul-François Vranken nannte es „das erste Haus des 21. Jahrhunderts“. Der Gründer der seit 1. Januar als Pommery & Associé firmierenden Gruppe ließ es sich nicht nehmen, die Marke bei seinem Premierenauftritt außerhalb Frankreichs persönlich vorzustellen. Parallel dazu wurde zuletzt auch die Kernmarke Pommery deutlich aufgewertet. Das betrifft besonders den Relaunch der gehobenen Linie Apanage, die Jubiläumscuvée 150 Ans und die neue Wertschätzung der Cuvée Louise. Bevor ich im Einzelnen auf die Maison Pompadour und die neuen Cuvées von Pommery zu sprechen komme, erläutert Paul-François Vranken die aktuellen Veränderungen. Er wird dabei assistiert von Chef de cave (und mittlerweile stellvertretendem Generaldirektor) Clément Pierlot, der ebenfalls nach Berlin gereist war. Dass Deutschland das Privileg der Auslands-Premierenstation der Maison Pompadour genoss, ist sicher auch der starken Stellung der Deutschland-Vertretung von Pommery unter Thomas Wirz zu verdanken.
Das Interview

STEFAN PEGATZKY: Im vergangenen Jahr hat es bei Vranken-Pommery Monopole bedeutende Veränderungen gegeben, die die Gruppe völlig verändert haben. Dabei ging eine Geschichte zu Ende und eine neue hat begonnen. Wie fühlen Sie sich heute?
PAUL-FRANÇOIS VRANKEN: Die Veränderung zum 1. Januar 2025 betraf nur Personalien. So leitet meine Frau Nathalie nun an meiner Stelle als Generaldirektorin die Gruppe [während er Präsident des Verwaltungsrates bleibt, SP]. Und Clément Pierlot, unser Chef de cave, ist nun einer ihrer Stellvertreter. Die zweite Änderung ab 1. Januar 2026 ist dagegen von sehr großer Bedeutung: Das Unternehmen heißt nun Champagne Pommery & Associé. Wir haben das getan, weil wir Pommery, das bereits eine weltweit eingeführte Marke war, noch einmal stärken wollten.
Der Namen Vranken ist nun weggefallen. Was ist die Zukunft des nach Ihnen benannten Hauses?
Das weiß ich nicht. Das Einzige, was ich weiß ist, dass wir alles Notwendige getan haben, um Pommery noch größer zu machen. Das bedeutete, dass wir den Namen Vranken fallen lassen mussten. Denn zuvor gab es einige Verwirrung, gerade auch in Deutschland. Nun gibt es diese Konfusion nicht mehr.
Der Verkauf von Heidsieck Monopole
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Sie haben Champagne Heidsieck & Co. Monopole im letzten Jahr verkauft. Die Marke hatten Sie bereits 1996, also einige Jahre vor Pommery, übernommen. Das war zu einem Zeitpunkt, als der französische Markt noch sehr stark war und preiswerte Champagner in Supermärkten boomten. Heute ist auch für Sie der Export wichtiger, und das erfordert Premiumisierung, also hochwertigere Champagner. Haben Sie deswegen Heidsieck verkauft?
Ja, wir haben Heidsieck verkauft, weil wir beschlossen haben zu wachsen. Wir wollten eine Marke mehr haben, um voranzuschreiten, um die Gruppe, wie sie sagen, noch weiter zu premiumisieren.
Zunächst hieß es, dass Heidsieck an Ihre Compagnie Vranken verkauft werden sollte. Dann stand auf einmal Lanson-BCC als Käufer fest. Wie kam es dazu?
Wir hatten am 5. Juni [2025] den Verkauf von Heidsieck angekündigt. Als wir am nächsten Tag bereit waren, erhielten wir zwei Angebote, eines von Lanson-BCC und ein weiteres von einem anderen Anbieter, den ich nicht nennen möchte. Wir haben uns aufgrund der Qualität des Angebots für Lanson-BCC entschieden.
Innerhalb von Lanson-BBC ging der Verkauf über die Maison Burtin. Damit schließt sich ein Kreis. Deren Gründer hatte Ihnen einst den Zugang in den Champagnermarkt ermöglicht. Und Präsident Bruno Paillard ist ja wie sie in gewisser Weise ein Außenseiter in der Champagner-Welt, der wie sie eine ganze Gruppe von null aufgebaut hat. Hatte das etwas mit Ihrer Entscheidung zu tun.
Ja, das hat auch eine Rolle gespielt. Ich verstehe mich mit Bruno Paillard exzellent, wir sind beide „Propriétaires en Champagne“ [also Eigentümer von Champagnerhäusern, SP].
Die Maison Pompadour

Kommen wir zu Ihrer neuen Maison Pompadour, deren Geburt wir heute feiern. Bereits bei der Einstiegs-Cuvée „La Réserve“ gibt es ein außergewöhnliches Detail. Das betrifft die sogenannte Fülldosage, den „Liqueur d’expédition“. Können Sie das bitte erläutern?
Zunächst einmal liegt der Kern des Hauses in der Herkunft der Trauben, insbesondere natürlich vom namensgebenden Clos Pompadour. Die Grundweine von „La Réserve“ kommen [anders als beim Einzellagen-Champagner „Clos Pompadour“, SP] aus unterschiedlichen Gemeinden.
CLÉMENT PIERLOT: Aber wir blenden den Inhalt von Magnum-Flaschen aus der Einzellage Clos Pompadour in Tanks, um daraus den Versandlikör herzustellen, der dann in Sandstein-Eiern lagert.
PFV: Das ist einzigartig, das hat noch niemand zuvor gemacht. Dieses Zurückgeben der Magnums in den Kreislauf der Produktion („Remise en cercle“) zeigt das Savoir-faire des Kellermeisters. Das macht dieses außerordentliche Produkt aus.
Es brauchte einige Jahre und viele Etappen, um zu wachsen und ein sehr bedeutendes Haus zu schaffen. Diese Grande Maison hatte ich eigentlich bereits entdeckt, als ich vor 23 Jahren zu Pommery kam. Das war als Champagnerhaus natürlich selbst bedeutend, vor allem durch seine immerwährenden Reserven. Als wir das realisiert hatten, hat das auch alle motiviert, ein neues Haus zu schaffen. Und es war uns sehr wichtig zu zeigen, dass wir in der Lage waren, diese Grande Maison wirklich ins Leben zu rufen.
Das Selbstverständnis als Grande Marque
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Sie haben vor gut zehn Jahren in Tours-sur-Marne eine gewaltige, sehr moderne Produktionsanlage in Betrieb genommen. So, wie man das von einer bedeutenden Marke erwartet. Heute machen Sie mit Clos Pompadour einen Einzellagen-Champagner. Hat das auch mit dem veränderten Selbstverständnis der Grandes Marques zu tun, die heute zunehmend auch als Winzer wahrgenommen werden wollen?
Das glaube ich nicht, und ich bin auch nicht überzeugt, dass das der richtige Weg ist. Warum? Man kann nicht diese Haltung haben, wenn man eine gleichbleibende Produktqualität und einen kontanten Geschmack gewährleisten möchte. Nehmen wir ein Beispiel. Moët & Chandon hat einen sehr klar definierten Geschmack. Jeder nimmt eine Flasche Moët und weiß, dass es Moët ist. Man nimmt eine Flasche Pommery und weiß, dass es Pommery ist. Und das wird mit Pompadour ebenso sein. Das bedeutet es, eine Grande Marque zu sein! Man kann das nicht erreichen ohne die gesamte Palette der Organisation, sei es bei der Weinbergsbewirtschaftung oder der Weinherstellung.
CLÉMENT PIERLOT: Man muss dazu sagen. Die großen Häuser hatten das immer schon: die Reserve perpétuelle, die Multi-Vintages. Wir haben nur niemals davon gesprochen, heute tun wir es. Es ist eigentlich kein Winzer-Narrativ. Was sich geändert hat, ist die Tatsache, dass die neue Generation von Weinmachern mehr Interesse am Weinberg hat. Aber diese Veränderung hat bereits vor vielen Jahren stattgefunden.
Märkte im Sturm
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Sie gründen eine neue Maison in einer Zeit, die für Champagner und die Weltwirtschaft insgesamt nicht günstig ist. David Chatillon, der Vorsitzenden der Union des Maisons de Champagne, hat davon gesprochen, dass die Appellation derzeit einen „perfekten Sturm“ erlebe. Sehen Sie das ähnlich?
Nein, ich würde sagen, wir stehen am Ausgang des Sturms. Ich denke, er wird nur noch drei, vier Monate andauern. Die Verkäufe ziehen in vielen Märkten an, in Deutschland, Benelux, in Großbritannien. Das wird sich normalisieren, Wir hatten ein, zwei Jahre eine schwierige Zeit. Aber die Champagne hat einige sehr schwere Krisen durchlebt. Denken Sie an die frühen Siebziger- oder Neunzigerjahre oder das Jahr 2008. Wir sind gerade dabei, uns zu erholen, und ich denke, dass wir in unserem Haus alles tun, um aus der Krise herauszukommen. Damit der Champagner bald wieder als der größte aller Weine im Rampenlicht steht.
Dennoch verändern sich die Märkte gerade deutlich. Wo denken Sie, liegen Zukunftschancen für die Champagne?
Der größte Zukunftsmarkt für uns wäre Südamerika. Deshalb bin ich für Mercosur, auch wenn die französische Landwirtschaft insgesamt strikt dagegen ist. Dann darf man Afrika nicht vernachlässigen, besonders Südafrika. Und wir machen wichtige Fortschritte in Südkorea, wo wir eine eigene Filiale besitzen. Aber ich sehe auch eine gute Zukunft in Deutschland, in ganz Europa – sobald endlich der Ukraine-Krieg beendet ist.
Es brauchte einige Jahre und viele Etappen, um zu wachsen und ein sehr bedeutendes Haus zu schaffen. … Und es war uns sehr wichtig zu zeigen, dass wir in der Lage waren, diese Grande Maison wirklich ins Leben zu rufen.
Paul-François Vranken
Pompadour: Von der Prestige-Cuvée zur eigenen Maison
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Namensgeber des Hauses ist ein 25 Hektar großer Weinberg mitten in Reims als Teil der Domaine Pommery. Er war 2002 nach dem Verkauf von Pommery durch LVMH der einzige Weinberg, der damals in den Besitz von Paul-François Vranken gewechselt war. Dieser erkannte sofort das Potenzial und ließe von hier Einzellagen-Champagner unter dem Label Pommery abfüllen. Ausschließlich als Magnums und lediglich die Jahrgänge 2002, 2003 und 2004. Bereits 2003 gründete Vranken aber die Maison Pompadour als eine Tochterfirma von Vranken-Pommery Monopole, ohne dass diese zunächst nach außen in Erscheinung trat.
Im Dezember 2025 wurden nun die ersten beiden Cuvées vorgestellt. Einmal der Non-Vintage „La Réserve“ (60%PN|40%Ch, Ausbau in Inox mit vollzogener Malo). Dessen Versanddosage wird mithilfe von Magnums des Clos Pompadour ab dem Jahrgang 2003 komponiert wird (siehe oben). Das verschafft dem Champagner ein Plus an aromatischer Komplexität, vor allem aber eine verblüffend raffinierte Textur. Der 2017er Blanc de Blancs Clos Pompadour stammt dann komplett aus der namensgebenden Einzellage und wird in Sandstein-Eiern vinifiziert. Hier verbindet sich die Frische des Jahrgangs bestens mit den autolytischen Aromen der langen Flaschengärung. Die mikro-oxidative Wirkung des ovoiden Fermentationsbehälters verleiht dem Champagner zudem eine feine Cremigkeit. Weitere Cuvées der Maison sollen folgen.
150 Ans Blanc de Blancs, Apanage 1847, Cuvée Louise
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Spätestens ab Ende 2023 wurde deutlich, dass die Gruppe auch die Kernmarke Pommery auf eine neue Stufe heben will. Damals verkostete ich zum ersten Mal die beeindruckende Cuvée 150 Ans Blanc de Blancs. Die war im Hinblick auf das 150. Jubiläum des ersten Brut-Champagners der Maison 1874 kreiert worden – wodurch Pommery zum Pionier trockener Champagner wurde. Für das Portfolio noch bedeutender freilich war der Relaunch der Apanage-1874-Reihe. Zur ProWein 2024 machte der Brut den Anfang. Es folgte im Jahr darauf der Blanc de Blancs und nun wurde im Februar 2026 in Paris die Pommery-Premium-Linie durch den Rosé komplettiert. Es ist nicht nur ein optischer Neuauftritt – auch stilistisch erscheinen mir die Champagner präziser und frischer als in früheren Jahren.
Durch die Kreation des Hauses Pompadour ist nun die Louise (in den drei Varianten Brut, Brut nature und Rosé) quasi die einzige Prestige-Cuvée von Pommery. Sie stand lange im Schatten von Spitzen-Champagnern anderer Grandes Marques. Dabei besitzt sie durch ihre enorm lange Flaschenlagerung eine Ausnahmestellung – kaum eine andere reguläre Cuvée erscheint so spät auf dem Markt. Wie phantastisch die Louise reifen kann, zeigte im Januar 2026 eine Vertikalverkostung im Berliner KaDeWe. Die Champagner ab den Jahrgängen 1989 (Blanc) und 1992 (Rosé) präsentierten sich in blendender Verfassung (hier). In Paris feierte nun die Cuvée Louise Brut 2008 ihre Premiere (hier) – lang erwartet, aufgrund des Renommees des Jahrgangs. Wie alle ihre Geschwister zeigte sie sich zunächst noch ein wenig scheu – angesichts ihres Potenzials gehe ich von besten Zukunftsaussichten aus.
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Anmerkung: Das Interview wurde zum Großteil auf Französisch bzw. auch auf Englisch geführt und dann von Sur-la-pointe übersetzt.
Bildrechte
Stefan Pegatzky / Time Tunnel Images
