
Nachdem im Vorjahr die Napa Valley Vintners von Düsseldorf an die Seine gewechselt waren, war dieses Mal der deutsche Spitzenweinverband VDP mit 25 Weingütern erstmals nach Paris gekommen. Zudem nahm die Union des Grands Crus de Bordeaux (UGCB) die alljährliche Präsentation des abgefüllten Jahrgangs zum Anlass, auch einen gereifteren zu präsentieren. So präsentierte (fast) jedes Château neben seinem 2023er auch einen aus dem großartigen Jahr 2019. Eine wunderbare Idee, auch wenn es die Frequenz der (üblicherweise am Morgen beginnenden) Verkostungen deutlich erhöhte. Meine Auswahl von 12 Weinen enthält in diesem Jahr aus Gründung der Schwerpunktbildung (fast) keine trockenen Weißweine. Dafür, dass die Wine Paris auch jenseits des absoluten Spitzensegments unendlich viele weitere wunderbare Entdeckungen bereithält, dafür steht an dieser Stelle das Weingut Turley. Tegan Passalacqua produziert hier Kleinmengen von Einzellagen mit uraltem Zinfandel oder Petite Sirah aus Kalifornien. Und das zu Preisen, bei denen man in Napa gerade den Einstiegswein erhält.
1. Lenkey Naspolyás Furmint Magnum 2011
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Mittlerweile hat sich im Vorfeld der Messe ein reges Veranstaltungsbiotop entwickelt, sodass bereits der Vor-Messe-Sonntag die Anreise loht. Ungarn hatte dieses Jahr zur „Furmint & Friends Party“ in der Pariser Gallery Joseph geladen. Einer der Höhepunkte war die Präsentation des Weinguts Lenkey aus Mád, dem heute wichtigsten Produktionsort der Region Tokaj. Lenkey ist spezialisiert auf Einzellagen mit teilweise sehr langer Reifung. So präsentierte es an diesem Abend neben einem 6-buttigen Aszú aus Furmint von 2003 (der aktuelle Jahrgang) auch den trockenen Blend Urágyá 2018 (Hárslevelű 60%, Furmint 40%). Danach folgte der Pre-Release des reinsortigen Furmint Naspolyás 2011. Die Trauben wurden in alten Korbpressen gepresst, abgefüllt wurden gerade einmal 600 Magnums – noch ohne Etikett, im Bild nur ein Muster. Ich habe im letzten Jahr viele trockene Furmints verkostet, nicht zuletzt während zweier Ungarn-Reisen. Dieser vielschichtige, sehr ausdrucksvolle und alterslose Wein demonstrierte vielleicht am nachdrücklichsten das große Potenzial der Traube (95p.).
2. Château La Mission Haut-Brion 2019
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Château Mission Haut-Brion ist kein Mitglied der UGCB, und es präsentiert eigentlich nicht nicht auf Messen. Dabei gilt das Weingut, das 1983 von der Familie Dillon, den Besitzern von Haut Brion, gekauft worden war, für manche als sechster Premier Grand Cru. Aber als Teil der Domaine Clarence Dillon ist es Mitglied in der exklusiven Vereinigung Primum Familiae Vini. Und dort konnte man immerhin, zumal von gereiften Jahrgängen, den ausgezeichneten Zweitwein La Chapelle de La Mission Haut-Brion verkosten. Dieses Jahr aber stand tatsächlich Château La Mission Haut-Brion 2019 vor mir. Der Jahrgang weist mit 53 Prozent einen ungewöhnlich hohen Merlot-Anteil auf. Dazu kommen 39,5% Cabernet Sauvignon und 7,5% Cabernet Franc. Der Wein galt schon immer als ein möglicher 100-Punkte-Kandidat. Und schon jetzt streift er die Perfektion (99p.). Vielleicht charakterisiert nichts den Wein so gut wie die Bemerkung von Lisa Perrotti-Brown: „Ein Wein von makelloser Herkunft, sowohl dekadent extravagant als auch provokativ anmutig.“
3. Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande 2019
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Der 2023er-Jahrgang in der Flasche war das große Thema der UGCB-Verkostung. Auch wenn das – dazu gleich mehr – ein sehr guter Jahrgang war, stand er doch etwas im Schatten des herausragenden 2022ers. Nun ist das nicht selten der Fall. Wohl wegen der schwierigen Situation des Bordeaux-Marktes hatten sich die Organisatoren für dieses Jahr etwas Besonderes ausgedacht. So sollte jedes Weingut ein Geschwisterpärchen aus 2023 und 2019 vorstellen.
Beim 2023er Pichon Longueville Comtesse de Lalande wäre das freilich nicht nötig gewesen. Sicher, dessen Vorgänger hatte 100 Parker-Punkte bekommen und war auch in meinen Augen einer der Stars dieses Jahrgangs (hier). Zumindest in der Auswahl auf der Wine Paris konnte auch dessen Nachfolger in diesem Jahr keiner das Wasser reichen (97p.). Aber dann stand eben auch noch der 2019er daneben. Der Wein hat mit 23 Prozent Merlot einen deutlich höheren Anteil im Blend als 2023 (mit 14%) oder 2022 (17%). Aber vonseiten des Weinguts heißt es, dass es die beste Merlot-Qualität aller Zeit gewesen sei. Wie auch immer. Die erste Reife tut dem Wein phänomenal gut, der ansonsten ein Monument des „neoklassischen“ Bordeaux-Stils ist und sich zwar weniger konzentriert, aber auch etwas frischer und ausgewogener als der 2022er zeigt (98p.).
4. Château Clinet 2019
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Bei Château Clinet aus Pomerol war der Unterschied etwas deutlicher. Nicht, dass 2023 hier einen schlechten Wein ergeben hätte, im Gegenteil. James Suckling sprach nicht umsonst davon, dass in diesem Jahr das rechte dem linken Ufer überlegen sei. Und auch wenn der Jahrgang nicht zu den großen gehört, so zählt er doch zur „fiktiven zweiten Liga“, wie Neal Martin bemerkte. Château Clinet 2023 zeigt dann auch alle Qualitäten eines sehr gut gemachten Pomerol, aber er bleibt in seiner sehr modernen Art auch etwas glatt (95p.). Sein Gegenstück, der 2019er (80% Merlot, 20% Cabernet Sauvignon), besitzt allerdings große Klasse. Er galt schon früh als der größte Clinet in der Geschichte des Gutes. Wegen seines relativ hohen Cabernet-Sauvignon-Anteils ist das Tannin spürbar, aber es strukturiert den sinnlich-komplexen Merlot ausgezeichnet. Ein Wein, der sich wunderbar in der Flasche entwickelt hat und dennoch erst ganz am Beginn seiner Trinkreife steht (97p.).
5. Château Lascombes 2023
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Château Lascombes hat 2023 als eines der wenigen Weingüter im Médoc einen besseren Wein als im Vorjahr produziert. Die Ursache hierin liegt vor allem im spektakulären Besitzerwechsel Ende 2022. Damals wurde bekannt, dass Lawrence Wine Estates das als 2ème Grand Cru Classé klassifizierte Château gekauft hatte. Die vor allem in Napa tätige Gruppe landete dann im darauffolgenden März einen Coup, indem sie Axel Heinz als Weinmacher verpflichteten. Der gebürtige Münchner ist önologisch ein Kind des Bordelais und hatte dort zuletzt auf La Dominique gearbeitet. Nach seinem Wechsel 2005 nach Bolgheri war er dann für die Kult-Weingüter Ornellaia und Masseto zuständig. Was ihn schließlich selbst zu einem Star seiner Zunft gemacht hat. Bereits zur letzte Wine Paris hatte er das Weingut persönlich repräsentiert. Und mit dem 2022er einen Wein mitgebracht, der typisch war für die Ära zuvor. Zu viel Extraktion und neues Holz – und das in einem ausgesprochenen Hitzejahrgang.

In diesem Jahr sah das anders aus. Zum einen zeigte Jahrgang 2019, dass auch vor dem Einstieg der Lawrence-Gruppe gute Weine auf Lascombes produziert worden waren. Tatsächlich wurde hier das markante Holz durch Frische und Vitalität ausbalanciert, die den Wein bemerkenswert machen (94p.). 2023 ist sicher an sich der schwächere Jahrgang. Aber beim Lascombes aus dem Jahr zeigt sich bereits etwas von Axel Heinz’ Vision von dessen Zukunft. Er will sich beim Erstwein auf die besten historischen Parzellen konzentrieren – ein Auswahlprozess, der noch im Gang ist. Der Margaux-Charakter soll besser herausgearbeitet werden. Der Neuholzanteil wird reduziert, Toasting, Gebindegrößen und Tonnellerien werden angepasst. Zugleich wird Cabernet Sauvignon im Blend aufgrund des Klimawandels wichtiger. Château Lascombes 2023 zeigt den Fortschritt: Mit purer, ins Florale spielender Frucht, guter, vielschichtiger Textur und bestens eingebundenem Tannin (95p.). Lascombes, so Heinz, soll wieder ein Referenzwein der Appellation werden. Dazu ist das Weingut auf dem besten Weg.
6. Brunello di Montalcino Giodo 2021
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Am Stand von Giodo konnte ich Bianca und Carlo Ferrini wiedertreffen. Beide hatte ich zuletzt Ende 2019 in der Toskana für eine FINE-Reportage über ihr Weingut Giodo getroffen. Damals war die neue Kellerei gerade im Rohbau fertig geworden. Die ist mittlerweile längst fertig gestellt – und auch das Portfolio des jungen Weinguts hat sich vergrößert. Auf 1,5 Hektar wird nun ein Rosso di Montalcino produziert, nachdem das Consorzio die entsprechende Fläche zur Produktion genehmigt hatte. Sodann gibt es seit Jahrgang 2021 den Prètto, was Toskanisch so viel wie „rein“ bedeutet. Er ist der fruchtbetonte, etwas charmantere Brunello di Montalcino von Giodo. Zur Wine Paris hatten die Ferrinis vor allem zwei Jahrgänge ihres Grand Vin mitgebracht. Einmal den zugleich druckvollen wie eleganten 2020er (97p.), den der Gambero Rosso zu Italiens „Rotwein des Jahres 2026“ gewählt hatte. Noch mehr Größe hat in meinen Augen der Folgejahrgang, der Brunello di Monalcino von Giodo aus 2021. Ein Sangiovese, der über eine einzigartige vertikale Spannung und elektrisierende Salzigkeit verfügt (98p.).
7. Spottswoode Cabernet Sauvignon 2023
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Beim ersten Blick auf den Gemeinschaftsstand der Napa Valley Vintners in Paris hat es mir in diesem Jahr glatt den Atem verschlagen. Denn 2026 war auch einer meiner absoluten Lieblingsweingüter vertreten, Spottswoode aus St. Helena. 1972 gegründet, ist es eines der letzten verbliebenen „alten“ Familienbetriebe im Napa Valley. Beth und Lindy, die Töchter aus der Gründerfamilie Novak, leiten heute das Weingut und produzieren Jahr für Jahr einen der brillantesten Cabernets der USA. Elegant und moderat im Alkohol, dabei tiefgründig, ohne jeden Exzess und nie überholzt. Und trotz zahlreicher 100-„Parker-Punkte“ preislich nicht völlig abgedreht.
Gleich drei Jahrgänge, 2023, 2022 und 2016 standen nun in Paris auf dem Tisch! Mit der Folge, dass ich das Foto vergeigte und ich eines mit einer Flasche aus meinem Keller nachstellen musste (siehe rechts). 2016 gilt nicht als der größte Jahrgang der Gutsgeschichte, verkostet sich aber saftig, polierten Tanninen und frischer Säure (95p.). 2022 zeigt sich jahrgangsbedingt ungewöhnlich wuchtig, aber in seiner Fülle gezähmt und bereits schön entwickelt (97p.). 2023 ist dagegen noch völlig verpuppt, aber ausgestattet mit enormer Frische und komplexer, würziger Fruchtfülle. Ein ganz großer Erfolg (98p.)!
8. Outpost True Vineyard 2023
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Die zweite große Napa-Begegnung hatte ich dann nicht inmitten der Kalifornien-Präsentation, sondern in einer Frankreich-Halle. Denn eines der US-Weingüter, das derzeit ziemlich Schlagzeilen macht, ist tatsächlich in französischem Besitz. So war Outpost, das 1998 von Frank Dotzler im Howell Mountain gegründet worden war, 2018 Eigentum von AXA Millesimes geworden. Ich kannte den Ort bereits. Denn hier macht Winemaker Thomas Rivers Brown auch die Weine für Schrader Cellars, über die ich einmal geschrieben habe. Wie bei Schrader Cellars ist auch hier die Klonauswahl ein entscheidendes Thema. Es heißt, dass gerade im True Vineyard die klonale Vielfalt die Grundlage für die Komplexität des Weines ist. So ist eine Parzelle etwa mit sogenannten „Kofferklonen“ von Château Lafite-Rothschild bestockt, eine andere stammt dagegen von Screaming Eagle (P-Klon).
Wie auch immer. Wir verkosteten den Estate Cabernet sowie die beiden Weine aus dem True Vineyard. Einmal den Blend The Immigrant (39%CS|33%M|28%CF) aus 2023 – komplex, kräutrig, kühl. Und schließlich den rebsortenreinen Cabernet Sauvignon aus der gleichen Lage, sowohl 2023 wie 2022. Beides sind in ihrer strukturierten, puristischen Stilistik typische Mountain Wines. Aber auch hier hat 2023 die Nase vorne durch einen hinreißenden Hauch mentholischer Frische (98p.).
9. Quinta do Crasto Vinha da Ponte Duoro 2019
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Meine Portugalreise 2024 hatte starke Eindrücke bei mir hinterlassen. Deshalb nahm ich gerne das Angebot wahr, auf der Wine Paris die Weine der sogenannten Duoro-Boys kennenzulernen. Das ist ein kleiner Winzerverband, eher ein Club, mit derzeit vier aktiven Mitgliedern. Sie wollen der Welt nicht nur die Qualität ihrer Portweine, sondern auch die Klasse ihrer Stillweine demonstrieren. In Paris traf die Quinta da Crasto, ein Weingut, das seit 1994 unabhängig ist, dabei voll ins Schwarze. Nach einem bemerkenswerten Einstieg präsentierte mir Miquel Roquette von der Besitzerfamilie insbesondere seine beiden Einzellagen-Abfüllungen. Vinha da Ponte (hier von 2019) sowie Vinha Maria Teresa (aus 2020) sind beides Field Blends von über 100-jährigen Weinstöcken. Beim Maria Teresa ergab eine DNA-Analyse 54 verschiedene Rebsorten! Beides sind außerordentliche Rotweine von beeindruckender Präzision und enormer Dichte. Maria Teres zeigte etwa generösere, offenere Frucht, wohingegen sich da Ponte etwas verschlossener und ernster präsentierte und wohl über das größere Potenzial verfügt (96p.).
10. Porto Niepoort [Proposal] Vintage 2024
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Niepoort steht in der deutsch- und englischsprachigen Welt vor allem für das „neue“ Douro. Dirk Niepoort aus der fünften Generation der Eigentümerfamilie erwarb Ende der Achtzigerjahre erstmals eigene Weinberge. 1990 produzierte er den ersten Jahrgang des Redoma. Es war der Beginn einer Stillwein-Revolution, die die ganze Region inspirierte. Heute machen die trockenen, nicht-gespriteten Weine 80 Prozent von Niepoorts Produktion aus. Darunter zählen einige der besten Rotweine (Charme), aber auch Weißweine (Coche) Portugals. Ein Gutteil seines Renommees hat sich das Weingut auch mit nationalen und internationalen Kooperationen erworben. So hat Dirk Niepoorts Sohn Daniel nach zahlreichen Stationen in aller Welt das Weingut FIO an der Mosel mit aufgebaut. Mittlerweile konzentriert sich Daniel zunehmend auf die portugiesische Produktion und ist mittlerweile Head Winemaker von Niepoort Wines. Nichtsdestotrotz fand er die Zeit, in Paris die Weine seines Unternehmens vorzustellen.

Mich interessierten in diesem Jahr aber die Klassiker. Immerhin hatte das 1842 vom Niederländer Franciscus Marius van der Niepoort gegründete Haus vier Generationen lang ausschließlich Portweine produziert. Weil nur wenig davon nach Großbritannien gelang, blieb das Haus lange im Schatten der Aufmerksamkeit. Erst im Gefolge der trockenen Stillweine richtete sich der internationale Fokus auch auf die Portweine von Niepoort. Spätestens seit dem 2017er, der im „Wine Advocate“ 99–100 Punkte erhielt, stehen auch diese in der ersten Reihe. Ich verkostete nach einem noch zurückhaltenden Colheita 2014 den 30 Years Old Tawny (2025er-Abfüllung). Der älteste Tawny bei Niepoort – der in seiner Dichte und Vielschichtigkeit viele ältere Versionen anderer Häuser schlägt (95p.). Bereits trinkreif bei Erscheinen, ist dies eine Kategorie, auf die Daniel Niepoort in Zukunft mehr setzen möchte. Dann folgte ein Fassmuster vom Vintage 2024. Nach einer mittlerweile ungewohnt „klassischen“ späten Ernte ohne klimatische Exzesse gibt dieser zu allergrößten Hoffnungen Anlass. Undurchdringlich, hoch konzentriert und energiegeladen mit dem Zeug zur Legende (98p+).
11. Vallado Porto Very Very Old
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Die Quinta do Vallado wurde 1716 gegründet und kam 1818 in den Besitz der Ferreira-Familie. Dort bildete es über 150 Jahre ein Rückgrat für die Portweinproduktion der Familie unter der Marke Casa Ferreira, bevor diese 1987 an Sogrape verkauft wurde. Seit 1993 produziert die Familie nun Weine von der in ihrem Besitz verbliebenen Quinta do Vallado. Stillweine – aber auch Portweine, insbesondere Tawnys, also jahrgangslose Ports, die oxidativ im Holzfass ausgebaut werden.
Die Präsentation von Francisco Spratley Ferreira begann mit einem 10 Year Old White, eine wunderbare, in Deutschland nahezu übersehene Kategorie. Beim 40 Year Old Tawny wurde es dann ernst. Und beim 80 Year Old Tawny dachte ich, wir hätten den Gipfel erklommen. Sehr dunkel in der Farbe, mit Tabak, Leder, Gewürzkiste und Jodtinktur in der Nase. Am Gaumen strukturiert und viskos, mit guter Säure und enormer Länge (97p.). Dann folgte freilich noch der Very Very Old Port, der ein Durchschnittsalter von 100 Jahren aufweist. Wenn ich Francisco Ferreira richtig verstanden habe, wurden dabei 45% von Weinen aus 1888 mit 45% aus 1955 und einem Zehntel jüngerer Ports geblendet. Es ist eine fast spirituelle Erfahrung und ein einzigartiges Plädoyer für gereiften Port (99p.)!
12. Disznókő Kapi Vineyard Tokaji Aszú 6 Puttonyos Furmint 2017
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Tokaj war 2025 einer meiner Schwerpunktthemen gewesen – und so bin ich auch dem Gutsdirektor von Disznókő, László Mészáros, in Ungarn begegnet. Einmal am Weingut in Mád und dann als Leiter einer Tokaj-Masterclass beim Budapest Wine Summit. In Paris traf ich ihn erneut zweimal. Zuerst bei „Furmint & Friends“ und schließlich an seinem Stand – genauer: Gemeinschaftsstand. Denn wie Outpost (oder Château Pichon Baron und einige Hochkaräter mehr) gehört Disznókő zur Gruppe Axa Millésimes. Hier präsentierte mir László Mészáros endlich die beiden 6-buttigen Aszús des Weingutes, die ich noch nicht kannte. Hinsichtlich der besonderen Bedeutung von Disznókő und seiner Stilistik verweise ich auf meinen Tokaj-Artikel (hier).
An dieser Stelle nur so viel, dass insbesondere der Kapi Vineyard der wohl getreueste Ausdruck des besonderen Einzellagenansatzes von Disznókő ist. Anders als der klassische 6-buttige Aszú des Gutes ist er keine Cuvée verschiedener Parzellen. Tatsächlich aus dem Herzstück der alten Disznókő-Lage stammend, wurde er erstmals 1999, also sechs Jahre nach dem ersten Aszú des Weingutes gefüllt. Seine Größe verdankt sich nicht dem Zuckergehalt. Jedenfalls besitzt er mit 164 Gramm weniger als sein Pendant (187gr.) oder die Crème de tête namens Aszú V.P.T.S. (278gr.) oder gar die Eszencia (326gr.). Aber es ist die brillante Säure des auf gut 150 bis 180 Meter Höhe gelegenen Hanges, die ihm seine faszinierende Eleganz verleiht. Im Traumjahrgang 2017 spielte dann auch die Boytritisbildung mit. Es mag Tokajer Aszú-Weine geben, die wuchtiger sind und vielleicht auch vielschichtiger. Aber keiner ist so balanciert und pur in all seiner majestätischen Großzügigkeit, wie der Kapi (97p.).
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Stefan Pegatzky / Time Tunnel Images
