Deutsche Weinmagie an der Nahe

Die Winzer der VDP-Versteigerung an der Nahe haben in diesem Jahr erstmals ein gemeinsames Sommerfest gefeiert. Dabei griffen die beteiligten Weingüter beim Charity-Event der Bad-Kreuznacher Auktion tief in ihre Schatzkammer. Am Ende standen im gastgebenden Gut Hermannsberg 36 Weine auf dem Tisch, darunter viele historische Versteigerungsweine und zahlreiche Magnum. Die Anwesenheit vieler Spitzenwinzer machte aus dem Fest ein Gipfeltreffen des deutschen Weinbaus.
26/09/2026
3 Minuten Lesezeit
Blick auf die legendäre Spitzenlage Schlossböckelheimer Kupfergrube

Am Namen müssen sie noch feilen. „CharitySommerfest am 5. Juli 2026 der VDP.Versteigerungsweingüter 2025 der VDP.Weinversteigerung an der Nahe mit Ahr, Rheinhessen und Pfalz“. Die Vorgeschichte des Festes ist aber auch ein wenig komplex. 1912 wurde in Kreuznach der Verein der Naturweinversteigerer an der Nahe gegründet, der Vorläufer des heutigen VDP.Nahe. 1994 schlossen sich Betriebe von der Ahr der Nahe-VDP-Versteigerung in Bad Kreuznach an. 2007 folgten Weingüter aus Rheinhessen und der Pfalz. Seit 2018 werden neben Wein-Flaschen auch Charity-Kisten für einen gemeinnützigen Zweck versteigert. 2024 gab es dann das erste Charity-Event, quasi ein privates, kulinarisches „Meet the Winemaker“, für das man Karten ersteigern konnte. Das wurde dann 2025 erstmals zum Charity-Sommerfest ausgebaut, dessen Erlös dem Nachhaltigkeitsprojekt „Wurzeln schlagen“ des Landkreises Bad Kreuznach zugutekam.

Acht Karten wurden so im November 2025 zum Ausrufpreis von 300 Euro versteigert – der Zuschlag lag dann bei 1.000 Euro! Traumhaft gelegener Ort der Veranstaltung im folgenden Juli und zugleich Gastgeber war Gut Hermannsberg an der Nahe, selber ein Versteigerungsweingut. Dessen Team unter Geschäftsführer Achim Kirchner spendete auch das Grill-Büfett, das durch kulinarische Grüße aus den Küchen der Weingüter ergänzt wurde.

Ein intimer Rahmen für große Weine

Es war ein kleiner, intimer Rahmen – mit mehr Flaschen als Gästen, wenn ich richtig gezählt habe. Von den 13 Versteigerungsweingütern des vergangenen Jahres waren zehn persönlich vertreten, teilweise mit Familie. Neben dem „Hausherrn“ Achim Kirchner an erster Stelle Frank Schönleber (Weingut Emrich-Schönleber), Präsident des VDP.Nahe, sowie Caroline Diel (Schlossgut Diel), als seine Stellvertreterin. Helmut Dönnhoff (Weingut Dönnhoff), Tim Fröhlich (Weingut Schäfer-Fröhlich) und Sebastian Schäfer (Weingut Joh. Bap. Schäfer) komplettierten das Sextett von der Nahe. Rheinhessen war mit Fritz Groebe (Weingut K. F. Groebe), Agnes Hasselbach (Weingut Gunderloch) und Klaus-Peter Keller (Weingut Keller) vertreten, die Ahr mit Ludwig Kreuzberg (Weingut H. J. Kreuzberg). Die Weingüter Philipp Kuhn aus der Pfalz sowie Wagner-Stempel und Wittmann aus Rheinhessen waren immerhin durch ihre Weine präsent. Es war also mehr als ein Regionalevent der Toperzeuger von der Nahe – und entpuppte sich schließlich als eine Sternstunde für den deutschen Wein insgesamt.

Altmeister Helmut Dönnhoff

Die 36 präsentierten Weine waren freilich nicht repräsentativ für den deutschen Spitzenweinbau insgesamt. Das liegt an der Entstehungsgeschichte der VDP.Weinversteigerung in Bad Kreuznach. Eng an die Historie des VDP.Nahe gekoppelt, liegt ihr Fokus primär auf Riesling. Mit Ausnahme einiger Spätburgunder bestehen alle Versteigerungslose in Bad Kreuznach aus Riesling-Weinen. Die Rebsorte ist die einzige, die an der Nahe für die Produktion von Großen Gewächsen zugelassen ist. Schließlich galt die Region hinsichtlich der Entstehung des Weltrufs trockener Rieslinge seit den Neunzigerjahren als historische Lokomotive. Das war ein wichtiger Grund, warum 2007 prominente Winzer aus der Pfalz und Rheinhessen zur VDP.Versteigerung in Bad Kreuznach hinzustießen. Seitdem gilt Bad Kreuznach als Mekka für trockene Rieslinge von Weltrang – als Gegenpart zum „restsüßen“ Großen Ring in Trier. Kein Wunder, dass der Preisrekord für einen trockenen deutschen Wein – ein 2020er Pettenthal Riesling GG vom Weingut Keller in der Doppel-Magnum für 16.100 Euro – in Bad Kreuznach aufgestellt wurde.

Eine furiose Verkostung

Quo vadis, deutscher Wein? Diskussion bei Weiß- …

Wenig überraschend waren daher 28 der 36 ausgeschenkten Weine trocken. Neben vier Spätburgundern gab es 32 Weißweine, davon waren 29 Rieslinge, zwei Chardonnays und ein Weißburgunder. Unter den 21 trockenen Rieslingen wiederum befanden sich zwei Schaumweine, vier Stillweine aus der „mittleren“ Kategorie und 15 ausgesprochene Spitzenweine. Diese bildeten, auch wenn es natürlich ungerecht gegenüber den anderen Weinen ist, so etwas wie die Königsdisziplin. Was die Auswahl an diesem Abend etwa von einer VDP-Jahrespräsentation unterschied, war die Jahrgangstiefe bis hinab zu 1994, die vielen Magnumflaschen und die exklusiven Abfüllungen, die nur als Versteigerungsweine existieren. Zumal ein Winzer wie Klaus-Peter Keller dort gar nicht präsentiert. Kurz ein Blick zu den „anderen“: Der Kupfergrube-Sekt von Gut Hermannsberg gehört, zumal in der Magnum, mittlerweile sicher zu den besten in Deutschland. Bei den Riesling-Kabinetten zeigte sich, warum Klaus-Peter Keller (2022 Niersteiner Hipping) und Sebastian Schäfer (2021 Dorsheimer Goldloch) hier Versteigerungsweine produzieren – beide waren spektakulär.

… und Rotwein. Caroline Diel mit Klaus-Peter und Julia Keller

Keller überzeugte auch mit einer stilistisch beeindruckenden Chardonnay-Premiere aus der 2023er Westhofener Steingrube. Hier zeichnet sich am Horizont bereits eine neue Kategorie deutscher Spitzenweine auf Weltniveau ab. Die Parade trockener Riesling bestand dann sozusagen aus zwei Teilen. Einmal klassische Große Gewächse der Versteigerungsweingüter von Jahrgängen bis hinab zu 1994 – die Hermannshöhle von Dönnhoff freilich als trockene Spätlese. Das trank sich auf sehr hohem Niveau und war nicht zuletzt eine Illustration des stilistischen Wandels trockener deutscher Rieslinge.

Schließlich folgten die eigentlichen Versteigerungsweine: Fenchelberg von Gunderloch (hier: 2021), Final von Schäfer-Fröhlich (ebenfalls 2021), Brücke von Dönnhoff (2018), Auf der Ley von Emrich-Schönleber (2016 in der Magnum) und die Grande Reserve von Groebe. Diese, zu denen auch die hier nicht präsentierten La Borne von Wittmann, EMT von Wagner-Stempel oder Pettenthal von Keller gehören, liegen allesamt auf Weltklasseniveau. Tatsächlich kann man nicht wirklich über die absolute Spitze bei trockenen Rieslingen sprechen, wenn man die Versteigerungsweine aus Bad Kreuznach nicht kennt. Ihre Präsentation in gereiftem Zustand machte den Tag zu einer furiosen Ausnahmeverkostung.

Anmerkung

Meine 2025 erschienene Geschichte der VDP.Versteigerung an der Nahe sowie Verkostungsnotizen aller Weine der 2025er-Auktion findet sich hier. Und hier der Link über meinen Bericht zur VDP.Versteigerung von 2025.

Bildrechte

Stefan Pegatzky / Time Tunnel Images

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