250 Jahre Champagne Louis Roederer

Es war ein veritables Doppeljubiläum, das die traditionsreiche Maison aus Reims in diesem Jahr zu feiern hatte. Nicht nur wurde das 1776 als Dubois Père & Fils gegründete Haus 250 Jahre alt. Gleichzeitig feierte auch seine emblematische Cuvée Cristal ihren 150 Geburtstag. Champagne Louis Roederer feierte das mit einem großartigen Fest – und zwei spektakulären neuen Cuvées.
18/09/2026
3 Minuten Lesezeit
Generaldirektor Frédéric Rouzaud (rechts) und Chef de cave Jean-Baptiste Lecaillon

Es ist hier nicht der Ort, die verwickelte Gründungsgeschichte der Maison nachzuerzählen. Wen das interessiert, der kann das in meinem Champagnerbuch nachlesen. Wichtig, auch mit Blick auf das Jahr 2033, ist die Tatsache, dass das Haus 1833 als Erbe an den gebürtigen Elsässer Louis Roederer fiel, der es dann nach sich benannte. Mit Camille Olry-Roederer stand zwischen 1932 und 1975 das letzte Familienmitglied mit „Roederer“ im Namen an der Spitze des Unternehmens. Dann folgte ihr Enkel Jean-Claude Rouzaud und schließlich dessen Sohn Frédéric. Letzterer war Gastgeber der unter dem Motto „Kreation ist Liebe“ stehenden Feierlichkeiten. Mit „Liebe“ spielte Rouzaud auf die tiefe Empathie zum Land und im erweiterten Sinne auch zur Natur an – ebenso wie an das gemeinschaftsstiftende Moment des Champagners. Für die Gäste war es jedenfalls ein Moment, sich daran zu erinnern, wie viel Genuss Champagne Roederer der Welt geschenkt hat und sicher auch noch schenken wird.

Erbe und Auftrag

Wirft man einen Blick auf die Feierlichkeiten zurück, dann muss man unbedingt auch über das kulturelle „Vorprogramm“ des Abends sprechen. Weil es an dem Tag zu heiß war, fand es statt in der Oper im Kongresszentrum von Reims statt. Es war als „lebendige Zeitung“ inszeniert, mit Programmpunkten, die vom Ballett über Musik bis zur Fotografie reichten. Nur ein einziger Beitrag, Peter Liems Bericht über die Bergung historischer Champagnerflaschen in der Ostsee, hatte mit Champagner zu tun. Das hört sich auf dem Papier etwas „verkopft“ an. Vor Ort vereinte es ein Mosaik faszinierender, teilweise sogar bewegender Momente, die sich um zentrale Themen wie Menschsein, Liebe, Erinnerung und Zeit drehten. Sicher, es war „Hochkultur“ – mit Alice Renavand tanzte etwa eine „étoile“ des Pariser Opernballets – aber zeitgenössisch, pulsierend und mit globaler Perspektive. Nicht nur, weil mit Ausnahme eines kurzen Grußwortes von Frédéric Rouzaud keine Reden gehalten wurden, wäre so etwas in Deutschland undenkbar.

Auf meine Nachfrage, wie sehr die Feierlichkeiten und die Begegnungen mit Gästen und Freunden das Haus selbst inspiriert hätten, schrieb mir Frédéric Rouzaud, dass sie ihm persönlich „viel Energie und Optimismus“ gegeben hätten: „Dieses Jubiläum war mehr als nur eine Feier unserer Vergangenheit – es war eine eindringliche Erinnerung daran, was ein familiengeführtes und unabhängiges Haus heute ausmacht“. Denn „das bedeutendste Erbe, das wir übernommen haben“, so der Roederer-Generaldirektor weiter, „sind nicht nur unsere Weinberge oder unsere Weine, sondern auch die Gemeinschaft von Menschen, die dieselben Ideale von Exzellenz, Freiheit, Weitergabe und Respekt vor der Natur teilen.“

In sieben Jahren gibt es für die Maison erneut etwas zu feiern. Dann jährt sich die Übernahme des Hauses durch Louis Roederer zum 200. Mal. Ohne etwas zu vorwegzunehmen, unterstrich Rouzaud die Bedeutung dieses „wichtigen Meilensteins in unserer Geschichte“: „Seine Entscheidung, Weinberge zu erwerben und durch eine engere Verbindung zum Terroir kreative Unabhängigkeit zu sichern, ist nach wie vor eine der Grundlagen unserer Identität.“

Late Release – die dritte Expression des Cristal

Bei der eigentlichen Abendveranstaltung zum 250. Geburtstag im historischen Stammsitz von Louis Roederer stand dann jedenfalls das Feiern im Vordergrund. Und natürlich der Champagner! Sei es als Pairing aktueller Champagner mit der 2-Sterne Küche von Philippe Mille aus dem Reimser „Arbane“. Oder durch die Vorstellung des neuen Jahrgangs und neuer Cuvées. Weil die einst für Zar Alexander II. kreierte Prestige Cuvée der Maison ebenfalls Geburtstag feierte, war „Cristal only“ quasi das Wein-Motto des Abends. 2016 Blanc und 2014 Rosé gab es zudem aus der Magnum – Letzterer zeigte in diesem Format seine ganze Klasse! Später am Abend gab es dann die Premiere des 2018er Cristal Blanc. Weil Pinot Noir 2017 in der Champagne schwer zu kämpfen, übersprang die Maison das Jahr. 2018 war dann recht heiß und trocken. Klassisch im Blend (57%PN | 43%Ch) hat Roederer hier die malolaktische Gärung konsequenterweise komplett geblockt. Sehr jung, sehr elegant, sehr viel Potenzial!

Gegen Mitternacht folgte dann das spektakuläre Champagner-Highlight des Events, die Vorstellung der neuen Late-Release-Serie des Cristal. Ein solcher Moment ist auch für eine Maison mit 250-jähriger Geschichte außergewöhnlich. Schließlich lässt sich die Geschichte des Cristal gerade an einer Handvoll Daten erzählen: Der Beginn 1876 mit der eigentlichen Kreation am russischen Zarenhof. 1927 – nach der russischen Revolution – folgte die Übernahme in das allgemeine Sortiment als Prestige Cuvée. 1974 sah die Produktion des ersten Jahrgangs des Cristal Rosé. 2017 wurde schließlich, ebenfalls im Stammhaus der Maison, die Reihe Cristal Vinothèque mit den Jahrgängen 1995 und 1996 vorgestellt. Das sind unter idealen Bedingungen in der Flasche gereifte Jahrgänge mit geringerer Dosage. Sie kommen deutlich später als die klassischen Cuvées in den Handel – aktuell ist es Jahrgang 2004.

Late Release ist nun die dritte Variante des Cristal, mit knapp doppelt so langer Flaschengärung. Premierenjahrgang 2008 hatte Kellermeister Jean-Baptiste Lecaillon „Le cristal de cristal“ getauft, entsprechend hoch waren die Erwartungen. Sowohl Blanc wie Rosé wurden nach 13 Jahren Reifung auf der Hefe mit einer Dosage von 7 bzw. 8 Gramm/Liter im März 2022 degorgiert. Anschließend ruhten die Flaschen vier Jahre vor der Freigabe im Keller. Schwer, seine Eindrücke nach so einem Tag in Worte zu fassen. Vielleicht nur so viel: Es war ein Kuss der Perfektion – und er entfachte die Sehnsucht nach einem möglichst baldigen Wiedersehen.

Bildrechte

Eingangsfoto: Alex Jones / Champagne Louis Roederer

Alle übrigen Bilder: Stefan Pegatzky / Time Tunnel Images

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