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Champagne Nicolas Feuillatte wird 2026 50 Jahre alt. Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten in diesem Jahr war auch die zweite Edition von „La Battle des chefs“. In diesem 2024 erstmals ausgetragenen Kochwettbewerb treten gemischte internationale Küchenteams unter einer gemeinsamen Aufgabenstellung gegeneinander an. Die beiden Tage waren verbunden mit einer Kellerei-Besichtigung, einem önologischen Workshop und natürlich ausgiebigen Verkostungen. Auch Sur-la-pointe war eingeladen – allerdings nicht einfach als Journalist, sondern auch als Mitglied eines Kochteams. So durfte ich nicht nur die Kellerei des Champagnerhauses in Chouilly zum ersten Mal besuchen, sondern feierte auch meine Premiere als „Commis“ oder zu Deutsch: Küchengehilfe.
Geschichte
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Nicolas Feuillatte entstand aus der Vision des jungen Sozialisten Henri Macquart, der in den 1940er-Jahren eine führende Rolle im gerade gegründeten Champagner-Dachverband gespielt hatte. In den 1960er Jahren wurde Macquart Präsident des Dachverbands der Genossenschaften (Fédération des Coopératives Champenoises), deren Zahl auf über 100 angewachsen war und die 1964 bereits 36 Prozent der Ernte der Appellation selbst vermarkteten. Marquart begriff, „dass der Tag nicht weit sei, dass die Genossenschaften den Zugang zu den wirklich großen Vertriebskanälen gewinnen würden, die nur den ganz großen Produktionseinheiten offen stünden“. 1972 handelte er und gründete das Centre Vinicole de la Champagne (CVC), ein Bund von Genossenschaften, der bald darauf begann, erste Cuvées nicht nur für Handelshäuser, sondern auch unter eigenem Namen herzustellen. Das Problem der Größe hatte Macquart gelöst, aber es blieb das Problem des Images. Da traf er einen Mann, der nichts weniger als das exakte Gegenbild eines „Genossen“ war: Nicolas Feuillatte.

Der Freund von Jackie Kennedy hatte sein Geld mit dem Handel afrikanischen Kaffees in den USA gemacht. Er kam 1972 nach Frankreich zurück, weil er mit seinem Bruder einen 12 Hektar großen Weinberg nahe Reims erworben hatte, wo er Champagner produzieren wollte. Das war ein Fehlschlag, und nach einem Treffen mit Macquart verkaufte er das Unternehmen und die Marke Nicolas Feuillatte 1976. Nun vertrieb der CVC unter diesem Namen seine Produktion. Die Kalkulation ging auf: Feuillatte setzte auf den „demokratischen“ Vertrieb in Supermärkten und verbreitete die Botschaft vom „Champagner in allen Lebenslagen“. Heute ist Terroirs & Vignerons de Champagne (TEVC), wie die Gruppe seit 2022 heißt, unverdrossen auf Expansionskurs. Zu Nicolas Feuillatte kamen seit 2019 die Maison Henri Abelé, Champagne de Castelnau sowie Champagne Henriot hinzu. Champagne Nicolas Feuillatte ist in Frankreich Marktführer und zählt zu den Top-3 in der Welt. Kellermeister Guillaume Roffiaen kam 2014 von Drappier zu Feuillatte.
Die Kellerei in Chouilly
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TEVC mit seiner Kernmarke Nicolas Feuillatte ist ein Unternehmen der Superlative. Zu ihm gehören 82 Einzelkooperativen mit gut 6.000 Winzern, die bewirtschaftete Fläche beträgt 2.250 Hektar. Die enorme Vielfalt an Weinbergen mit teilweise exquisiten Lagen bildet die Basis für das große Potenzial des Hauses. „Wir sind jünger als die Grandes Marques“, stellt Guillaume Roffiaen fest, „aber dank unserer Stärken in der Traubenbeschaffung sind wir in der Lage, es mit ihnen aufzunehmen.“ 2017 wurde in Chouilly an der Côte des Blancs ein gewaltiges vollautomatisiertes Produktionszentrum samt Besucherzentrum eingeweiht. Der bewusste Gegenentwurf zur Keller- und Katakomben-Ästhetik der klassischen Marken irritiert manchen auswärtigen Champagnerfreund. Die technikaffinen Franzosen waren begeistert. Gut 7 Millionen Flaschen werden heute von Roffiaen und seinen acht Önologen unter dem Label Nicolas Feuillatte produziert und in gut 80 Länder exportiert. Noch einmal mehr als die doppelte Menge werden als „Champagne-as-a-Service“ für die eigenen Mitglieder nach deren Wünschen hergestellt.
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Natürlich bedeutet Größe auch in gewisser Hinsicht Standardisierung. Viele der 436 großen Gärtanks aus Edelstahl fassen 1.600 bis 2.000 Hektoliter. Sechs gewaltige Tanks zum Blenden können jeweils das Äquivalent zu einer halben Millionen Flaschen aufnehmen. Sie ermöglichen die Produktion des Flaggschiffs von Feuillatte, der Cuvée Réserve Exclusive Brut, die gut 80 Prozent der Gesamtmenge des Hauses ausmacht. Aber das ist nur die eine Seite von Nicolas Feuillatte. Die andere sind die spezielleren Cuvées, insbesondere die Vintages und die Prestige Cuvée Palmes d’Or. So finden sich noch Champagner aus dem Jahrgang 1999 im Keller, deren Flaschengärung noch nicht abgeschlossen ist. Grundsätzlich legt das Haus, bei allem Bekenntnis zu Frische und Eleganz, Wert auf die Zugänglichkeit – was häufig durch einen hohen Pinot-Meunier-Anteil erreicht wird. In den letzten Jahren hat Chef de cave Guillaume Roffiaen daran gearbeitet, das Portfolio etwas zu straffen, den Meunier-Anteil zu senken und langlebigere Weine zu erzeugen.
Die Champagner
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Bei Champagne Nicolas Feuillatte lohnt es sich, ein paar Euro mehr zu investieren. Beispielsweise den Sprung vom Einstiegschampagner Réserve Exclusive Brut zum Premier Cru Extra-Brut zu wagen. Der enthält mehr Chardonnay im Blend und hat ein erstaunliches Preis-Leistungs-Verhältnis. Als eine der wenigen großen Produzenten hat Nicolas Feuillatte auch eine Bio-Cuvée im Programm. Mit gut 95 Prozent Pinot Noir (+ 5% Chardonnay) ist der (sehr eigenständige) Organic Extra-Brut beinahe ein Blanc de Noirs. Darüber stehen die beiden Vintages, ein Blanc de Blancs sowie ein Blanc de Noirs. Über die auch beim „Battle des chefs“ präsentierten 2015er hatte ich bereits 2025 geschrieben (hier). Beim anschließenden Gala-Diner gab es dann unter anderem auch den sehr bemerkenswerten 2016er Blanc de Noirs. Dessen Trauben stammen komplett von Grands Crus der Montagne de Reims, sowohl von den nördlichen Gemeinden Verzy und Verzenay sowie aus dem südlicheren Bouzy und Aÿ.
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Und dann gibt es dann natürlich noch die Prestige Cuvée Palmes d’Or. Der Name bezieht sich nicht auf die Filmfestspiele in Cannes, sondern ist Nicolas Feuillattes Hommage an eine Operndiva, die in seinem Leben eine bedeutende Rolle spielte. Die Cuvée aus gleichen Anteilen von Chardonnay- und Pinot-Noir-Trauben bester Lagen wird mindestens neun Jahre auf der Hefe ausgebaut. Wie Kellermeister Roffiaen 2025 in einem gemeinsamen Online-Tasting erläuterte, geht es bei dieser Cuvée darum, die ausgeprägte Persönlichkeit der jeweiligen roten und weißen Trauben zu versöhnen. Das geschieht durch Chardonnays aus Montgueux im Süden der Champagne, wo Böden wie in Sancerre vorherrschen, die von den 50 Prozent Chardonnay einen Anteil von 7 Prozent ausmachen. Und dann gibt es natürlich noch neben dem Rosé Intense die Erweiterung Chronothèque. Weil ich den Keller noch nicht gesehen hatte, konnte ich nicht an der parallelen Mini-Vertikale 1999, 2000 und 2002 teilnehmen. Zum Abschluss des Dinners aber wurde 2000 aus der Magnum geöffnet – mit beeindruckender autolytischer Komplexität und Frische.
La Battle des chefs
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Champagne Nicolas Feuillatte steht seit der ersten Ausgabe seiner Veranstaltungsreihe „La Battle des chefs“ in der ersten Reihe der Häuser, die sich um die Verbindung von Champagner zum Essen bemühen. Dieses Jahr stand der Event unter der Headline „Fusion“, und entsprechend stritten fünf gemischte internationale Vierer-Teams um den „Grand Prix“. Konkret: jeweils zwei Chefs, ein Sous-Chef und ein Kommis aus Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich und Malta – wobei die Kommis teilweise aus Journalisten (wie mir) oder Influencern bestanden. Fünf Möglichkeiten standen zur Auswahl. Neben „Bangkok|Kopenhagen“, „Bordeaux |Abidjan“, Seoul|Rom“ und „Reims|Barcelona“ schließlich auch „Hamburg|La Valetta“. Letzteres hatte mein Team (Chef Daniel Desavie und Sous-Chef Benjamin vom Restaurant Desavie in Valbonne sowie Chef Jean Luc Petermann vom Restaurant Wullenwever in Lübeck und ich) als Gewinner eines vorherigen „Escape Games“ ausgewählt. Dazu gab es Vorgaben zur Wahl bestimmter Zutaten und Kochtechniken – sämtliche Menü-Bestandteile bezogen wir von einer nahegelegenen Food-Station.
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Drei Stunden Zeit für zwei Gänge, das war die Vorgabe, wobei immer wieder einzelne Teammitglieder für Sonder-Prüfungen, etwa zur Sensorik, herausgepickt wurden. Die Jury war handerlesen: Neben Mitgliedern der in Frankreich hoch angesehenen Köche Vereinigung Bocuse D’Or etwa der 2-Sterne-Koch Philippe Mille aus Reims sowie der für Gault Millau France arbeitende Journalist Philippe Toinard. Wir entschieden uns für eine „Hamburger Rose aus Räucherlachs“ sowie eine Neuinterpretation des maltesischen Nationalgerichts Stuffat tal-Fenek. Keine einfache Aufgabe bei den Sprachbarrieren und großer Hitze in (gut ausgestatteten) Kochstationen unter freiem Himmel. Umso größer schließlich die Freude über den zweiten Platz! Als Champagnerauswahl wählte ich unter anderem den sehr weinigen Palmes d’Or Rosé Intense 2006 aus, den wir auch für das Ragout verwendeten. Dafür gab es dann den Sonderpreis „Prix de l’accord met et champagne“, also die beste Champagnerauswahl zum Menü. Ein fulminantes Gala-Dinner im Château de Sacy beschloss schließlich eine grandiose zweitägige Veranstaltung.
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Bildrechte
1. Foto im Absatz „La Battle des chefs“ sowie Schlussbild des Artikels: © Leo Ginailhac
Alle übrigen Bilder: Stefan Pegatzky / Time Tunnel Images
