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Geschichte
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Die Familie Coessens betreibt seit sechs Generationen Weinbau in der Nähe des Dorfes Ville-sur-Arce im Department Aube ganz im Süden der Champagne. Vom Großvater von Jérôme Coessens, dem Gründer von Champagne Coessens, heißt es, dass dieser durch etliche Tauschgeschäfte die Lage Largillier als Monopol, also als Alleinbesitz, der Familie sichern konnte. Die ist seit Jahrhunderten bekannt und wurde in historischen Quellen bereits 1384 als Weinberg genannt. Der Weinbau selbst in der Region ist sogar noch älter. Ville-sur-Arce wird als Weinbaugemeinde bereits im 12. Jahrhundert erwähnt und geht vermutlich (der Name ist römischen Ursprungs) bis in die Antike zurück. Auch der Vater Alain hatte als Winzer in Ville-sur-Arce gearbeitet, aber er hatte die Trauben, bis auf vereinzelte eigene Abfüllungen, in der Regel an große Champagnerhäuser verkauft. Sein Sohn, der 1972 geborene Jérôme Coessens, blieb dem Weinbau treu, arbeitete aber selbst zunächst sieben Jahre bei einer großen Champagner-Marke.
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2003 übernahm er dann den kleinen Betrieb seines Vaters, verpflanzte ihn vom Ortskern an den Dorfrand in die Nähe der Weinberge und nannte ihn von Les Faches in Coessens um. 2006 entschloss sich Coessens, die ersten Champagner unter seinem Namen zu machen. 2009, ein Jahr nach seiner Heirat mit Valérie Goblet, stellte er die ersten Champagner vor. In der Folge tauchte er immer tiefer in das Terroir seines 3,36 Hektar großen Weinbergs ein und veranlasste bodenkundliche Analysen. Daraufhin teilte er den Lieu-dit in vier Parzellen und richtet seine Cuvées danach aus. Ab 2012 geriet der Weinberg in den Fokus der Champagner-Freaks, als Guillaume Selosse, Sohn des berühmten Anselme, eine eigene Cuvée für einige Jahre mit Trauben von Jérôme Coessens zubereitete und Largillier benannte. 2021 schließlich pachtete das Haus Parzellen in Les Riceys und stellte 2025 mit dem Pinotmaniac erstmals einen Champagner vor, der nicht vom Largillier stammte. Im gleichen Jahr trat Sohn Grégoire in den Betrieb ein.
Stilistik
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In der Radikalität seines Terroir-Ansatzes kann man wohl niemanden in der Champagne mit Jérôme Coessens vergleichen. Er selbst nennt es eine Philosophie „à la Bourgignonne“. Das meint eine Rebsorte (Pinot Noir), bis auf eine Cuvée immer ein Jahrgang und abgesehen vom Neuzugang Pinotmaniac immer eine einzige Lage. Aber selbst im Burgund ist dieser Ansatz rar, etwa beim Château de la Tour mit dem Clos de Vougeot, wobei der kein Monopole ist. Coessens hat viel Zeit und Mittel aufgewendet, um diese Lage und ihr Potenzial voll zu verstehen. Bodenkundliche Analysen haben die verschiedenen geologischen Strukturen der Sub-Parzellen des Largillier analysiert. Grundsätzlich handelt es sich dabei um einen mergelhaltigen, kargen Kimmeridgium-Boden, der sich durch einen Wechsel von Ton- und Kalkschichten auszeichnet (Argile bedeutet tatsächlich Ton). Hinsichtlich der Zusammensetzung des Bodens und des Untergrunds als auch hinsichtlich der Exposition weist er starke Ähnlichkeiten mit den großen Lagen des nicht weit entfernten Chablis auf.
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Allerdings, und das ist der besondere Twist bei Champagne Coessens, ist die Lage mit Pinot Noir – und nicht Chardonnay – bepflanzt. Dabei unterscheidet der Winzer zwischen vier Teilparzellen, die er entsprechend ihrem geschmacklichen Ausdruck benannt hat. Etwa „Minéral/Mineral“ aus kalkhaltigeren Böden, „Fruit/Frucht“, „Fleur/Blume“ und „Matière/Substanz“ mit eher lehmigen Partien. Wert wird auf phenolische Reife gelegt, verwendet werden Trauben von alten Rebstöcken (die ältesten wurden 1972 gepflanzt), weniger begünstigte Partien werden verkauft. Konsequenterweise arbeitet Coessens naturnah, seit 2021 ist der Largillier bio-zertifiziert. Seit 2008 kommt eine hochmoderne Coquart-Presse zum Einsatz. Im Keller wird bis auf eine Cuvée und die Stillweine mit Inox gearbeitet, die Malo verläuft vollständig. Coessens nennt keine Degorgierdaten, aber die Dauer der Flaschengärung beträgt in der Regel zwischen 30 und 60 Monate. Die Dosage liegt bis auf den Blanc de Noirs und Rosé bei Extra-Brut und niedriger. Die Flaschenzahlen sind niedrig, lediglich beim Pinotmaniac werden 20.000 Flaschen gefüllt.
Portfolio
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Neun Cuvées enthält das Portfolio von Champagne Coessens mittlerweile, das bis auf eine Cuvée ausschließlich aus Vintage-Champagnern bzw. Weinen aus Pinot Noir besteht. Jüngster Zuwachs mit dem Premierenjahrgang 2022 ist der Pinotmaniac, ein Blanc de Noirs Extra-Brut Mono-Cru aus Riceys. Er ist eine Cuvée aus vier Einzelparzellen, die allesamt Kimmeridgium-Böden aufweisen. Die eigentliche Largillier-Serie beginnt mit dem Blanc de Noirs Brut, sie ist sicherlich die Signature Cuvée von Coessens. Für sie werden Trauben der zentralen Parzellen „Fruits“ und „Fleurs“ verwendet. Von der östlichen Parzelle „Matière“ stammt der Brut Rosé, der nach der traditionellen Méthode saignée hergestellt wird. Dabei werden die Trauben mit den Füßen zerstampft und geben so unter anderem Farbstoffe an den Saft ab. Brut Nature stammt aus Trauben reifer Jahrgänge der westlichen Parzelle „Minéral“ und enthält keine Fülldosage. Im Gegenzug dauert die Flaschengärung etwa zwei Jahre länger.
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Millésime Extra Brut nennt als einziger Champagner von Coessens den Jahrgang auch auf dem Vorderetikett. Er stammt aus der Parzelle „Matière“ und weist ebenfalls eine deutlich längere Hefelagerung auf. Das Largillier-Sextett wird beschlossen durch zwei Chmapgner, die die klassischen Coessens-Regeln auf die eine oder andere Art durchbrechen. Les Sens Boisés Extra-Brut (ebenfalls aus „Matière“) wird acht Monate in mehrfach gebrauchten Chablis-Fässern ausgebaut. Exogyre Extra Brut ist wiederum kein Jahrgang, sondern stammt aus einer 2006 angelegten Solera (im Edelstahl) und ist eine Cuvée aller vier Parzellen des Largillier-Weinberges. Dazu kommen derzeit zwei rote Coteaux Champenois Millésimé (aus „Matière“), bei denen das Haus von Yves Confuron (von der burgundischen Domäne Confuron-Cotedidot), beraten wird. Einmal Vendage Égrappée aus entrappten Pinot-Noir-Trauben und schließlich Vendange Entière aus nicht-entrappten Trauben. Beide stammen ebenfalls aus dem Largillier-Weinberg und werden für 33 Monate in burgundischen Pièces von 228 Liter ausgebaut und weder gefiltert noch geschönt.
Verkostung
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Das Sortiment konnte ich zweimal verkosten, einmal komplett zur Wine Paris im Februar 2026, sodann sechs Cuvées in Berlin im Juni. Schon der Pinotmaniac Les Riceys Extra-Brut (Jg. 2022) zeigt ein Charakteristikum der reinsortigen Pinots von Coessens, ihre zartrosa Reflexe. Es ist ein weicher, zugänglicher Champagner mit gutem Trinkfluss. Im Bouquet finden sich Himbeeren, Birne, getrocknete Papaya und etwas Schwarztee. Frisch und pur, aber nicht auf dem Level der Largillier-Champagner (88–89p.). Largillier Blanc de Noirs Brut (ebenfalls Jg. 2022) setzt dagegen schon ein Ausrufezeichen. Zartes Gold-Rosé im Glas, mit weicher Perlage und wunderschöner Nase (Himbeeren, Mandarine, Brioche). Ein Champagner aus einem reifen Jahr, aber mit enormer Delikatesse. Man spürt hier eine gewisse Dichte und eine nicht-plakative, aber sehr persistente, raffinierte Frucht ohne jeden Druck. In dieser Cuvée spielt Coessens sein ganzes Terroir-Know-how aus (92–93p.).
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Der Largillier Brut Rosé (Jg. 2022) mit seiner lebhaften Perlage und intensiven Tönung ist wiederum recht direkt, mit herben Fruchtaromen (Cranberry, Wildkirschen), einer frischen Säure und spürbaren Phenolik. Kein Aperitif-Rosé, sondern ein Essensbegleiter (90p.) Danach verlangt auch der Largillier Brut Nature (2020). Der gibt sich zu Beginn etwas reduktiv und zeigt erst nach Belüftung allmählich Noten von jungen Sauerkirschen und unreifen Pflaumen. Am Gaumen präsentiert er sich dicht, dabei betont herb und „non-fruity“. Ein Champagner für Fortgeschrittene, ich würde ihn noch etwas reifen lassen (91–92p.). Der deutlich vom Holz markierte Largillier Les Sens Boisés Extra-Brut (2020) ist wohl der „burgundischste“ Champagner der Kollektion. Mirabellen, Sauerteig und etwas Vanille in der Nase, am Gaumen cremig und lang, mit feinem, salzigem Finish (92p.).
Den ausgezeichneten Largillier Millésime 2019 Extra-Brut hatte ich nur in Paris verkostet (94p. siehe hier). Auf gleicher Höhe die Solera-Cuvée Largillier Exogyre-Extra Brut (leider gibt Coessens nicht den jeweils letzten Jahrgang in der Réserve perpétuelle an). Hier findet sich wieder die hinreißende Frucht, wenn auch deutlich dunkler interpretiert, trotz der Aromen von Pfirsichen sowie getrockneten Aprikosen und Physalis. Vielleicht strahlt der Millésime 2019 derzeit etwas mehr, aber der Exogyre zeigt sich komplexer und tiefer (94p.). In Paris konnte ich auch kurz die beiden sehr verschiedenen Coteaux Champenois verkosten, aktuell aus 2020. Hier gab ich dem strukturierten Largillier Vendange Entière Rouge den Vorzug gegenüber dem offenerem und fruchtigeren Vendage Égrappée.
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Bildrechte
Eingangsillustration: Champagne Coessens
Alle Fotos: Stefan Pegatzky / Time Tunnel Images
