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Zum Geburtstag gab es keine guten Zahlen. Zwischen dem 12. bis 14. Oktober waren nur noch rund 11.000 Fachbesucher und etwas über 400 Aussteller auf dem Berliner Messegelände zusammengekommen. Im Vorjahr waren es noch 12.100 Besucher (2024: über 15.000) – und die Zahl der Aussteller hatte noch 566 betragen, bei einer Messehalle mehr. Immerhin ist die Messe wieder internationaler geworden, so hatten dieses Jahr Besucher aus 94 statt 50 Ländern den Weg in die deutsche Hauptstadt gefunden. Die Messe selbst sprach vom „erheblichen wirtschaftlichen Druck, unter dem die Getränke- und Hospitality-Branche steht“ und plant nun 2027 mit einem 2- statt 3-Tage-Programm.
Langjährige Besucher vermissten in diesem Jahr Klassiker wie Humbel aus der Schweiz oder die Hanseatische Weinhandelsgesellschaft. Was, wie man hörte, wohl auch an den hohen Standkosten lag. Still- und Schaumweine gab es wieder etwas mehr als früher, etwa die Champagner von Abelé mit einem gelungenen Blanc de Blancs. Besonders gefallen hat mir der Barolo Chinato Tipo Esportazione von Giulio Cocci. Den hatte das Haus aus Asti zum 130. Jubiläum in einer Sonderedition neu aufgelegt. Grundlage ist ein Barolo DOCG aus einem einzigen Cru, der auf dem Weingut der Cocci-Eigentümerfamilie Bava aus dem Jahrgang 2016 gekeltert wurde. Anschließen wurden die lediglich 1.200 Flaschen mit Chinarinde und Gewürzen versetzt, eben: „chinato“. Sehr komplex und ein stilvoller Blick in die faszinierende Vergangenheit der Langhe. Im folgenden acht Spirituosen-Highlights des diesjährigen BCB:
1. Cognac Audry Très Ancienne Réserve Aristide
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„The best Cognac you never heard of“ hat das „Time Magazine“ einmal über die 1878 gegründete Maison geschrieben. Das hatte nicht zuletzt den Grund, dass Audry jahrzehntelang keine Cognacs verkauft hat. Nachdem die ersten beiden Generationen der Gründer-Familie die Reputation des Hauses mit eigener Kellerei und Labor aufgebaut hatten, kam es in der dritten Generation zum Cut. Aristide Boisson, der Ehemann von Odette Audry, verstarb 1950 sehr früh. Es sollte über drei Jahrzehnte dauern, bis dessen Sohn Bernard Boisson das Haus wiederbelebte – heute ist mit Anne und Renaud Boisson die fünfte Generation der Familie dabei. In Berlin präsentierte Mathieu Vanhalst, der aktuelle Geschäftsführer, nun in erster Linie die Kollektion Art Audry. Sie besteht aus einem VS, VSOP und einem XO, die vor allem die Barszene im Blick haben.
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Seine Reputation hat Audry freilich mit seinen alten Cognacs erworben. Diese sind zumeist Blends aus Grundweinen der Petite und Grande Champagne. Abgesehen von der gerade begonnenen Reihe von Jahrgangs-Cognacs unter dem Namen Collection fasst Audry diese nun in der Reihe Timeless zusammen. Diese umfasst ein Sextett, das es als Tasting Box auch in sechs Fläschchen à 50 ml gibt, die Mathieu Vanhalst nach Berlin mitgebracht hatte. Bereits der Auftakt Napoléon mit 15 bis 18 Jahre alten Eaux-de-vie (50%PC|50%GC) zeigt große Klasse. Beim Réserve Aristide, als einziger von diesen ausschließlich aus der Grande Champagne, sind wir bei einem Alter von mindestens 50 Jahre. Hier begeistert das mittlerweile rar gewordene, einzigartige Rancio-Aroma, das die einzigartige Qualität von Cognac eigentlich erst begründet hat.
2. Cognac Leyrat X.O. Elite
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Francis Abecassis, der sein Vermögen mit dem Reisanbau im Rhône-Delta gemacht hat, hat seit 2000 ein kleines Cognac-Imperium aufgebaut. Seine Gruppe hat sich der Philosophie der Single Estate Cognacs verschrieben und will „Cognac von Winzern“ produzieren. Heute stehen neben der Eigenmarke ABK6 (kurz für Abecassis, mehr hier) und der Linie „Grands Domaines“ die Häuser Reviseur und Leyrat eigenständig im Sortiment. Cognac Leyrat ist ein ehemaliger Familienbetrieb in den Fins Bois mit eigenen Weinbergen. Mittlerweile gibt es zwei X.O im Angebot, den X.O Hors D’Age sowie den teureren, höherwertiger konfektionierten X.O Elite. Letzterer verkostet sich weich, recht vielschichtig und mit guter Länge, mit Aromen von Trockenfrüchten, Leder und Walnüssen. Ein individueller „Extra Old“ zu einem realistischen Preis. Der Sprung zu den älteren Qualitäten Glory und Passion, die ich nicht verlosten konnte, fällt dann allerdings recht heftig aus.
3. Calvados Christian Drouin Expérimental #14 Kilchoman Angels 23 ans
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Christian Drouin aus der Normandie war, wenn ich das richtig sehe, möglicherweise der letzte verbliebene obstverarbeitende Spirituosenbrenner auf der BCB. Das Haus, das 1979 mit der Vermarktung begann, ist einer der Spitzenproduzenten von Calvados im gleichnamigen Department. Von Anfang an war es das Ziel des Hauses, seine Brände lange in unterschiedlichen Fässern reifen zu lassen und höchste Qualitäten zu produzieren (mehr hier). Unter dem heute vom Gründer-Enkel Guillaume Drouin geleiteten Unternehmen gibt es neben den großen Klassikern auch eine sehr beachtenswerte Expérimental-Reihe. Ganz neu in diesem Jahr war der 23 Jahre alte #14 Kilchoman Angels. Der hatte beim zehnmonatigen Finish seiner Reife in Single-Malt-Fässern von Kilchoman auf Islay gelegen. Das verstärkt gleichsam den latent maritimen Charakter des Brandes aus der Normandie. Vor allem gibt er ihm eine deutlich torfige Note, sodass das klassische Aroma eines sehr alten Calvados hier wie eine Idee von geräuchertem Apfel erscheint. Grenzwertig, aber faszinierend.
4. Ron Centenario 30 Anos Edicion Limitada
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Costa Rica war eigentlich kein Staat, der nennenswert Rum produzierte. Bis Getränkegigant Seagram dort 1969 ein Unternehmen namens Seagram de Costa Rica gründete. Das brachte freilich erst 1985 mit dem Añejo Especial 7 seinen ersten Rum auf den Markt. Nach dem Zusammenbruch von Seagram ging der Standort erst einmal bis 2002 in den Besitz von Pernod Ricard. Nun erhielt der Abfüller und Exporteur den Namen Centenario Internacional. Seit 2026 ist das Haus im Besitz der costa-ricanischen UDG Group. Ron Centenario pflegt einen leicht zugänglichen, „spanischen“ Stil. Zudem heißt es, dass die fruchtbare Vulkanasche der Region dem hier verwendeten Zuckerrohr eine besondere Süße verleihe. Jedenfalls stieg der Brand bald zu einem der weltweiten Marktführer auf.
Bemerkenswert sind hier die älteren Qualitäten (dabei wechselt je nach Cuvée das Verhältnis von Melasse und Zuckerrohr). Diese werden nach der Solera-Methode produziert und teils in gebrauchten Bourbon-, teils in schottischen Whisky-Fässern ausgebaut. Die Jahreszahlen beziehen sich übrigens nicht auf das Alter des jüngsten, sondern des ältesten Brandes im Blend. Die Gran Reserva 25 Aniversario ist jedenfalls schön würzig und besitzt ein ausgesprochen gutes Preis-Leistungsverhältnis. Die Spitze des Sortiments, 30 Aniversario Edición Limitada, ist sehr smooth und zeigt schöne nussige Aromen.
5. Rum El Dorado Single Still Port Mourant 2009
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Wesentlich mehr Tradition hat Rum freilich in Guyana, wo Holländer erstmals um 1640 Zuckerrohr anbauten. Aus den 300 Destillerien, die es hier im 18. Jahrhundert gab, waren um 1970 nur noch vier übriggeblieben. 1976 fusionierten die beiden englischen Gesellschaften Booker Rum Company und die Diamond Liquors Limited und bildeten die Guyana Liquor Corp., welche im Jahre 1983 in Demerara Distillers Limited umgetauft wurde und 1992 den Brand El Dorado auf den Markt brachte. Von der gibt es heute eine Reihe hochklassiger Melasse-Rums (21 yo!) inklusive besondere High-Ester-Blends.
Zugleich pflegt das Haus mit seiner Single-Still-Reihe die besondere Brenn-Tradition Guyanas. Mich hat neben den Enmore- und Versailles-Abfüllungen besonders der Port Mourant 2009 fasziniert. Der stammt aus einer Double Wooden Pot Still, also einer Brennblase, die nicht aus Kupfer, sondern aus Holz besteht – die älteste und einzige ihrer Art, die heute noch in Betrieb ist. Sehr würzig, ein wenig Rauch, Vanille und kandierte Früchte. Das Haus spricht zudem von „flambierter Banane“, das trifft es ganz gut.
6. Whisky Slyrs Single Cask Amarone Finish
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Die bayerische Whisky-Destillerie Slyrs hatte ich bisher nicht richtig auf dem Schirm. Vielleicht, weil ich als junger Mann beim Whisky zu lange ausschließlich nach Schottland geblickt habe. Mittlerweile ist der „Bavarian Mountain Whisky“ freilich auch über 25 Jahre alt. Hervorgegangen ist das Unternehmen aus der Destillerie Lantenhammer am Schliersee. Deren Mitbesitzer Florian Stetter, ein gelernter Brauer und Mälzer, hatte 1994 in Schottland der Whisky-Virus gepackt, weshalb er 1999 Slyrs gegründet hat. Seit einem Umzug in 2006 nach Neuhaus am Schliersee erfolgt der komplette Herstellungsprozess im eigenen Haus.
Verkostet habe ich hier zwei Brände: einmal den Klassiker Single Malt Whisky Aged 12 Years, der eindrucksvoll, aber fast schon ein wenig „zu perfekt“ war. Ein Effekt, wie ich es etwa bei den Whiskeys von Koval aus Chicago erlebt habe. Großen Eindruck aber machte der neue Limited Release Single Cask Single Malt Whisky Amarone Cask Finish. Der Brand in Fassstärke (53,2 %) wurde 2019 destilliert und 2026 abgefüllt. Entgegen dem Klischee vom süß-fruchtig-rosinigen Amarone ist der Whisky würziger und weniger ausladend als erwartet. Zudem ist die ölige Textur am Gaumen und der sehr lange Abgang ziemlich beeindruckend.
7. Rye Whiskey Catoctin Creek Barrel Select
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Glücklicherweise waren eine Reihe US-amerikanische Whiskey-Destillerien wieder nach Berlin gekommen. An erster Stelle stand erneut der US-Bundesstaat Virginia, die Wiege der US-amerikanischen Whiskeys. Neben dem Stammgast Reservoir (mehr hier) gehörte das erst 2009 gegründete Catoctin Creek, das von Präsidentin und Brennmeisterin Becky Harris geleitet wird, zu den Ausstellern. Harris nennt ihr Unternehmen stolz „The Virginia Rye Whiskey“ und es hat sich tatsächlich in kurzer Zeit in der Whiskey-Welt einen guten Ruf erworben. Drei permanente Ryes erzeugt das handwerklich arbeitende Haus aus Purcellville, Virginia. Einen 80, einen 92 und einen Cask Proof im „Vor-Prohibitions-Stil“, allesamt aus 100% lokalem Roggen und in kleinen Batches in Kupfer-Pot-Stills destilliert. Für mich die Spitze war der limitierte Barrel Select Rye Whiskey. Der bekam ein Finish in gebrauchten „Black Friday Barrels“ von „Crooked Run Fermentation“, einer Craft-Beer-Brauerei aus Virginia. Etwas Getreide, Bananenchips, Birne und eine Idee Hopfen: ein ziemlich wilder, aber auch spannender Aromenmix.
8. Homareiroha Katsutori Shochu 17 yo
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Ebenfalls wieder den Weg an die Spree gefunden hatte glücklicherweise der Japan-Pavillon, wegen dem allein sich schon ein Besuch des BCB lohnt. Dieses Mal präsentierte auch eine Kaufhauskette eine Auswahl an Produkten. Allerdings handelte es sich hier um die Hankyu Department Stores, deren Flagship-Store in Osaka neben dem in Kobe über eine geradezu sensationelle Essen- und Getränke-Abteilung verfügt. Das Unternehmen hat dabei auch exklusive Produkte im Programm, die von lokalen Handwerksbetrieben auf höchstem Niveau in enger Abstimmung mit dem Haus produziert werden. Die Preise, die Hankyu hierbei aufruft, verschlagen einem schlichtweg die Sprache. So kostet eine Flasche des 25 Jahre gereiften, aus Süßkartoffeln gewonnenen Shochu Katana Soguha (der Name eines japanischen Kurzschwertes) knapp 3.000 Euro – vor Steuern. Es erinnerte mich an einen sehr puren „Klaren“ aus Norddeutschland. Die „vollendete Vermählung aus Alkohol und Wasser durch das Medium der Zeit“, so erklärte es mir der Mitarbeiter am Stand.
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Überraschenderweise war ich auch vom 25 Jahre gereiften Homareiroha Daiginjo-Sake nicht überaus beeindruckt. Diese lange Lagerung ist sicher sehr selten. Aber mir erschloss sich deren Sinn (etwa im Unterschied zu jungem Highend-Sake) sensorisch einfach nicht. Eine ganz andere Welt war schließlich der Kombucha Awa Bancha von Tea Tsuboichi aus Sakai, der Heimat des legendären Teemeisters Sen no Rikyū. Der mithilfe einer Kombucha-Kultur fermentierte Grüntee war (selbstverständlich) alkoholfrei, aber dennoch aromatisch außergewöhnlich komplex. Allerdings zu einem vierstelligen Preis? Ein wirklich einzigartiges Getränk, sozusagen eine ganz eigene Kategorie, stellte schließlich der Homareiroha 17-year-old Kasutori Shochu dar, der aus Sakehefen der Reissorte „Yamada Nishiki“, dem König des Sake-Reis, destilliert und dann im Holzfass ausgebaut wurde. Eine Vermählung von zwei Welten, die hier etwas völlig Neues schafft, für das dem Verkoster noch die Worte fehlen. Allerdings werden hierfür auch 800.000 Yen abgerufen (ohne Steuer), was wiederum gegenüber den 1,5 Millionen Yen für den Homareiroha Sake preiswert erscheint. Wer mag, kann es umrechnen …
Bildrechte
Bild Homareiroha Katsutori Shochu: © Hankyu Department Store. Am Stand gab es aus Furcht vor Diebstahl nur eine Fake-Flasche mit der tatsächlichen Ausstattung.
Alle übrigen Bilder: Stefan Pegatzky / Time Tunnel Images
