SLPs Top 8 im Bar Convent Berlin

Die zweite Ausgabe nach der Corona-Unterbrechung und zum zweiten Mal in den Hallen der Messe Berlin tief im Westen der Hauptstadt: Der Bar Convent Berlin feierte 2022 ein „Back to Normal“. Mit 516 Ausstellern aus 44 Nationen wurden sogar die Zahlen von 2019 übertroffen.

5 Minuten Lesezeit

2007 ins Leben gerufen, ist der Bar Convent Berlin mit seiner Mischung aus Kongress und Fachmesse heute einer der weltweit wichtigsten Treffpunkte von Barbesitzern und Barkeepern einerseits und Getränkeindustrie andererseits. Auch wenn mancher Aussteller noch dem alten BCB-Feeling vom Messegelände am Gleisdreieck nachtrauert, hat sich der neue Standort bewährt. Zumal die Zeichen trotz schwieriger Rahmenbedingungen auf Wachstum stehen …

Sherry-Flaschen im Kühler
Gonzalez Byass präsentierte mit der En-Rama-Edition 2022 seines Tio Pepe eines der wenigen Sherry-Highlights

Der Bar Convent Berlin ist ein Mekka der Cocktail-Kultur, Fine Wine ist hier sicherlich kein Schwerpunkt. Aber dafür haben neben einer unvorstellbar großen Spirituosenvielfalt immerhin auch Schaumweine, Sherrys und Sake ihren festen Platz. Dieser ist freilich kleiner geworden. Trotz eines hochkarätigen Champagner-Tastings im Hauptprogramm präsentierte beispielsweise von den Ausstellern nur noch die Gruppe Vranken-Pommery feine Sparklings aus Frankreich.

Zudem verlegen sich selbst Traditionsbrenner immer mehr auf „To-be-mixed“-Brände. Die ganz großen Highlights wie die legendäre Verkostung der Buffalo Trace Antique Collection im Jahr 2019 sind rar geworden. Immerhin lohnte der starke Japan Pavillon den Besuch für Sake-Freunde. Doch auch von anderen Produktgruppen gab es großartige Qualitäten und spannende Neuheiten zu probieren. Aus Zeitgründen musste ich allerdings ganze Sektionen feiner Brände auslassen (Obstbrände, Grappa, Rum). Hier meine Top 8, angeordnet jeweils zu Pärchen in vier Kategorien:

1. Iwase Shuzo Iwanoi Yamahai Junmai Daiginjo Sake

Sake-Flasche vor Geschenkkarton

Die Iwase Brauerei befindet sich an der Ostküste der Präfektur Chiba unweit des Großraums Tokyo-Yokohama. Iwanoi, ein Name, der sich von einem wichtigen Brunnen ableitet, ist die wichtigste Marke. Das bereits 1723 gegründete Haus wurde 1947 mit dem „Best of Sake Award“ in Japan ausgezeichnet. Seine sehr traditionellen Produkte zählen zu den Spitzenprodukten des Landes. Seit der Iwanoi  Yamahai 2016 in Robert Parkers „Wine Advocate“ eine hohe Punktzahl erhielt, ist er auch weltweit gesucht. Zwei Eigenheiten machen die Eigenart und Qualität des Sake aus. Das ungewöhnlich harte, mineralienreiche Wasser sowie eine besondere Milchsäuregärmethode. Das Resultat ist ein Sake ohne Fruchtaromen, stattdessen dominiert der pure Geruch von gedämpftem Reis. „Aji-daigin“ nennen das die Japaner. Wenn man so will, transzendiert dieser Sake den Reis, aus dem er besteht.

2. Tanaka 1789 x Chartier Sake Blend 002 Nama-Zume Junmai Daiginjo Vintage 2018

Tanaka Sake Blend 001 und Blend 002

Tanaka 1789 x Chartier ist ein Gemeinschaftsprojekt der 1798 gegründeten Sake-Brauerei mit Sommelier und „Aromenberater“ François Chartier. Die Brauerei selbst befindet sich im Nordosten der Hauptinsel Honshū in der Präfektur Miyagi. Auch sie arbeitet mit einer traditionellen, zeitaufwendigen Gärung, der sogenannten Kimoto-Methode. Das Ungewöhnliche an dieser Linie ist freilich das Blending. Dieses wird in der Sake-Produktion kaum vorgenommen wird, ist aber bei Champagner und großen Spirituosen klassisch. In den Blends von Tanaka 1789 x Chartier werden etwa sieben unterschiedliche Sakes assembliert. Das Ziel: eine noch größere Komplexität und Ausgewogenheit des Endprodukts. Zweites Kennzeichen ist die Jahrgangsabfüllung, ebenfalls noch selten in der Sake-Produktion. Der Blend 002 ist gegenüber der Premiere auf jeden Fall noch einmal ein Sprung: vielschichtig und lang, mit einem komplexen Bouquet zwischen Fruchtaromen, Getreide- und Reisnoten.

3. Domaine Tariquet Bas Armagnac Baco 20 ans

Drei Flaschen rebsortenreiner Armagnacs

Armagnac hat sich auf dem französischen Markt besser behauptet als Cognac. In Deutschland ist die Spirituose als Jahrgangsabfüllung freilich immer noch berühmt-berüchtigt als Altherrengeschenk, das dann in der Glasvitrine sanft unter Staub begraben wird. Die rustikale Art und insbesondere der zuweilen penetrante Aceton-Kleber-Ton vieler Abfüllungen haben Freunde von Fine Spirits lange Zeit dem Brand aus der Gascogne entfremdet. Ein rigoros auf Qualität setzendes und besonders dynamisches Haus ist die Domaine Tariquet, hierzulande auch bekannt durch ihre trockenen Weißweine. Es gab einige Neuheiten auf dem Bar Convent. Etwa die rebsortenreine „Pure Folle Blanche 25 ans“ direkt aus dem Fass („Brut de Fût“), Brände aus Ugni Blanc oder der fast vergessen Plant de Graisse und schließlich die 20jährige Baco. Ein Hoch auf die Vielfalt!

4. Laballe Bas Armangac Vintage 1989

Jahrgangs-Armagnac

Auch die 1820 gegründete und immer noch in Familienbesitz befindliche Destillerie Laballe widmet sich rebsortenreinen Armagnacs, etwa dem Exode XIV aus Ugni Blanc oder dem Résistance aus der Rebsorte Baco (genauer: Maurice Baco 22 A), die gegen die Reblauskrise Anfang des 20 Jahrhunderts gezüchtet wurde und heute die einzige Hybridrebe ist, die in Frankreich für die AOC-Produktion noch zugelassen ist. Aber Laballe hatte zum Bar Convent auch einige Vintages mitgebracht, für die Armagnac berühmt ist. 2003 ist noch jugendlich-unruhig, aber das Destillat aus 1989, einem herausragenden, säurearmen Jahrgang, befindet sich bereits auf einem ersten Höhepunkt. So kraftvoll und präzise müssen Armagnacs heute sein.

5. Hine Bonneuil 2006 Limited Edition Cognac

Jahrgangscognacs von Hine aus Bonneuil

Selbst Cognac, wo der Rahmen für Innovationen begrenzt ist, ist in Bewegung. Die 1763 gegründete Maison Hine war schon früh ein Pionier von Jahrgangscognac, hervorgegangen aus den „Early Landed“-Abfüllungen, die von Händlern in Kellergewölben im britischen Bristol gelagert worden waren. Seit das Haus um 2000 in Bonneuil von Cognac Tesseron eine 120-Hektar-Domäne (70 Hektar unter Reben) im Herzen der Grande Champagne erworben hat, bewirtschaftet Hine eigene Weinberge. Aus dem Jahrgang 2005 wurde 2014 der erste Single Cru der „Domaines Hine“ als Jahrgangscognac präsentiert. In Berlin präsentierte das Haus die Nachfolger Bonneuil 2006, 2008 und 2010. Die sehr limitierten Brände stammen aus 18 bis 19 Fässern à 450 Flaschen – dafür sind sie sehr vernünftig bepreist. Welcher Jahrgang der Favorit ist, muss jeder für sich entscheiden (es gibt eine schöne Dreier-Box mit kleinen Flaschen). Es sind junge, aber hochindividuelle, komplexe Brände, die zeigen, dass die Terroir-Bewegung auch die Charente erreicht hat.

6. Abecassis Cognac Grande Champagne XXO

Cognac Extra Extra Old

Mit Landwirtschaft kennt sich Francis Abecassis aus, schließlich hat er sein Vermögen mit dem Reisanbau im Rhône-Delta gemacht. Seit 2000 widmet er sich nach dem Kauf von Cognac Réviseur in der Petite Champagne dem Cognac. 2002 kam Cognac Leyrat in den Fins Bois hinzu. 2005 wurde die Marke ABK6 gegründet, zunächst gedacht für junge, einfache Brände. Die Gruppe hat sich der Philosophie der Single Estate Cognacs verschrieben und will „Cognac von Winzern“ produzieren. Seit Tochter Élodie 2009 mit 23 Jahren die Leitung der heute vier Cognac-Domänen übernahm, wird auch ABK6 entschieden höherwertig positioniert. Gerade deren XOs gehören heute zu den Shooting Stars. Auf dem Bar Convent wurde Abecassis/ABK6 mit einer Kollektion Cognac Grande Champagne neu positioniert, möglich durch den Erwerb der Domaine Segeville 2019. Erstmals vorgestellt wurde zudem der XXO. Ein Cognac, der all den Zauber und Intensität von in Jahrzehnten entstandenen Tertiäraromen vereint: getrocknete Früchte, Leder, Zedernholz, Zigarrenkiste …

7. WhistlePig 15 years aged Estate Oak Rye Whiskey

Drei Roggenwhiskeys aus Vermont

WhistlePig ist gleichsam das Start-up unter den amerikanischen Rye-Produzenten. Das 2007 von Brennmeister Dave Pickerell gegründete Unternehmen startete mit nichts weniger als der Idee, den Roggenwhiskey neu zu erfinden und die bestmögliche Qualität zu produzieren. 2015 kam man der Sache ein großes Stück näher, als in Shoreham, Vermont, eine Farm mit 200 Hektar Ackerland für den Roggen- und Getreideanbau erworben werden konnte. Die Brennerei selbst ist in einen ehemaligen Milchbetrieb gezogen. Produziert wird nach der Devise „Vom Feld ins Glas“, was auch bedeutet, dass (zumindest beim 15yo) das Finish aus Fässern von farmeigener Vermont-Eiche erfolgt.

Seit Moët Hennessy Ende 2020 den Vertrieb außerhalb der USA übernommen hat (gegen Kauf einer Minderheitsbeteiligung), sind drei Rye-Whiskeys des Hauses auch in Deutschland erhältlich. Der in seiner Kategorie herausragende 10 Years Old Straight Rye Small Batches. Der Old World Rye 12 Years Old, dessen Finish in Madeira- (63 %), Sauternes- (30 %) and Portfässern (7 %) in meinen Augen ein wenig die Würzigkeit des klassischen Roggenwhiskeys überdeckt. Und schließlich der phänomenale 15 Years Estate Oak Rye, mit Sicherheit einer der Top-Roggenwhiskeys auf dem Markt. Eine Kombination aus der Wucht und Unbändigkeit des Roggens mit der Weisheit und Abgeklärtheit des Alters.

8. Glenfarclas The Family Casks 1994 Single Malt Scotch Whisky

Sample-Flasche von Glenfarclas aus dem Jahrgang 1994

Die 1836 gegründete und seit 1865 im Besitz der Familie Grant befindliche Brennerei Glenfarclas hat bis heute seine Unabhängigkeit wahren können. Kein Wunder, denn die Qualität der gesamten Palette an Highland Single Malt Whiskys ist exquisit. Kaum ein Haus besitzt mehr Sherry-Fässer, und der viel beschworene Oloroso-Charakter prägt gemeinsam mit der Speyside-Eleganz das Portfolio vom 10jährigen bis zu den raren Vintages. Auf dem Bar Convent waren offizielle Abfüllungen bis zum tiefgründigen 25jährigen sowie die ungestüme 2010 Christmas Edition zu verkosten. Am Ende des Tastings aber wurde eine kleine durchsichtige Flasche mit handgeschriebenem Etikett geöffnet: ein altes Handelsmuster aus der Family-Cask-Serie: Jahrgang 1994, Cask 1581, gefüllt im Oktober 2018. Eine kleine Zeitkapsel zurück in die Vergangenheit, von der es gerade einmal 571 Flaschen gab. Alter Sherry, etwas Apothekerschrank, dunkle Schokolade, Muskat und Zimt. Vielleicht mein Höhepunkt des Bar Convent Berlin 2022.

© Fotos Stefan Pegatzky / Time Tunnel Images

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