Der Blanc Singulier von Champagne Ruinart

Chardonnay ist das Rückgrat von Ruinart, dem ältesten Champagnerhaus überhaupt. Seine 1966 erstmals vorgestellte Prestige Cuvée Dom Ruinart ist ein Blanc de Blancs. Der letzte, im Jahr 2000 vorgestellte Neuzugang der Maison ist ein Blanc de Blancs Non Vintage. Beides sind reinsortige Chardonnays. Mit den Blancs Singuliers wirft Ruinart nun einen Blick in die Zukunft seiner Chardonnay-Champagner. Kellermeister Frédéric Panaïotis hat sie in Berlin vorgestellt.
10/06/2024
2 Minuten Lesezeit

Es war sein erster Besuch in Berlin. Frédéric Panaïotis, Chef de cave des 1727 gegründeten Champagnerhauses Ruinart, war in der deutschen Hauptstadt zu Gast, um unter dem Motto „Re(crafting) Chardonnay“ in persona eine Meisterklasse zu halten. Zuletzt hatte ihn die deutsche Weinpresse pandemiebedingt lediglich virtuell in Online-Präsentationen begrüßen können. Während unlängst vor allem innovative Verpackungen und die Alterung unter Kork das Thema waren [siehe hier], stellte er nun eine brandneue Cuvée vor. Ort des Geschehens: eine Pop-up Boutique im Stadtquartier am Tacheles. Die bespielte die Maison während des Gallery Weekend Berlin in einer gelungenen Mischung von Bar und Art Gallery.

Die Auswirkungen des Klimawandels

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Um 300 Kilometer ist die Champagne seit den Sechzigerjahren in den Süden gewandert. Damalige Extremsommer wie 1964, 1976 und 1982 sind heute gang und gäbe. Seit 2003 haben sieben Ernten bereits im August begonnen – seit 2017 hat es ausschließlich einen frühen Lesebeginn gegeben. Doch damit nicht genug: Weil auch die Blüte, nicht aber der Austrieb, immer früher stattfindet, kommt es immer öfter zu Nachtfrösten mit fatalen Folgen für Reben und Fruchtansatz. Ginge es nach dem Huglin-Wärmesummenindex, müsste man in der Champagne heute Grenache oder Syrah anpflanzen. Wie aber reagiert man in einem Champagnerhaus, für das Chardonnay und Pinot Noir unverzichtbar sind? Und aromatische Frische den Kern der „Style de la maison“ bildet?

Eine neue Cuvée als Antwort

2015 waren die Folgen des Klimawandels so offensichtlich, dass die Maison Ruinart beschloss, ein Programm für die Sicherung des Aromenprofils ihrer Leitrebe, des Chardonnays, aufzusetzen. Der stammt ja bei Ruinart nicht nur von der Côte de Blancs und südlichen Nachbarregionen. Sondern auch quasi „untypisch“ von Grand Crus der nördlichen Montage de Reims, etwa aus Taissy und Sillery. Das Team von Frédéric Panaïotis skizzierte eine Cuvée, die sich durch einige Merkmale vom übrigen Portfolio des Haues unterscheiden sollte: Einmal sollte der Jahrgang im Vordergrund stehen, aber durch 20 bis 30 Prozent Reserveweine aus einer eigens angelegten und teilweise im Holz ausgebauten „Réserve pérpetuelle“ ausbalanciert werden. Gegenüber dem klassischen Blanc de Blancs sollten teilweise andere Herkünfte in die Cuvée gelangen und die Flaschengärung länger (36 statt 24 bis 30 Monate) verlaufen. Die Dosage sollte dagegen von gut 7 Gramm Richtung null gehen. „Präziser, frischer, anspruchsvoller“ lautete die Devise.

Die Zukunft des Blanc de Blancs

Innovative Verpackung: eine Flaschenhülle aus französischer Bio-Baumwolle nach Art des japanischen Furoshiki-Stofftuches

Eine Édition 2017 des „Blanc Singulier“, so der Name der innovativen Cuvée, wurde 2022 als eine Art „mock-up“ erstmals gefüllt. Sie gelangte aber nicht in den regulären Handel, sondern wurde nur in der Ruinart-Boutique in Reims verkauft. Édition 2018 gelangte 2023 in einige Schlüsselmärkte, aber leider nicht nach Deutschland. Letztere, sowie die Édition 2019 (dég. 10/2023), hatte Frédéric Panaïotis nun nach Berlin mitgebracht, um sie gegen einen regulären Blanc de Blancs (aus dem Basisjahr 2020) zu verkosten. Der zeigt zunächst auch die schöne Eleganz und reduktive Frische des Hauses, mit den klassischen floralen und zitronigen Noten des Chardonnays (91 P.). Édition 2018 gibt sich fokussierter, aber auch etwas reifer und durch gelbe Steinfrüchte und Gewürze aromatisch komplexer (92 P.). Édition 2019 ragt freilich aus dem Trio durch seine strahlende Säure und enorme Frische bei schöner Komplexität heraus (93 P.).

Tatsächlich, so kündigt Panaïotis bereits an, wird es nicht in jedem Jahr einen Blanc Singulier geben, 2021 und wohl auch 2023 nicht. Aber mittel- und langfristig, davon ist der Kellermeister überzeugt, wird der heute nur in kleinen Mengen produzierte Blanc Singulier den klassischen Blanc de Blancs einmal ersetzen. Nicht nur durch den Inhalt, auch durch seine Verpackung – das Label aus Baumwollfasern, die plastikfreie Folie und das dunkle, recyclebare Flaschenglas – verkörpert er die Zukunft der Champagne.

Bildrechte

Stefan Pegatzky / Time Tunnel Images

 

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